Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-2
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (2)
[1919]
Seite: 416
(PDF, 96 MB)
Bibliographische Information
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke2/0416
416 Juniperus.

ges Carmel geſchafft und dort gepflegt.“ In dieſen Zuſammen⸗
hang ſollte unſere Novelle ſich eingliedern: im Kloſterlazarett auf
Carmel erzählt Juniperus ſeine Geſchichte jenen thüringiſchen
Kreuzfahrern, die Landgraf Ludwig der Milde ins Heilige Land
geführt (vgl. das Gedicht „Eine Totenfeier“, oben, S. 63). Der
Schluß der Novelle läßt uns zugleich ſehen, wie das Auftreten
des Schwaben unter den Thüringern erklärt werden ſollte; der
Abt von Rheinau hatte den Büßer nach Reinhardsbrunn ge⸗
ſchickt, weil Rheinau in nahem Verbande mit jenem thüringi⸗
ſchen Kloſter geſtanden.
Abermals iſt es die ausgezeichnete Schilderung der Umwelt,
die unſerer Erzählung vor allem Fülle und Leben verleiht. Die
Handlung ſelbſt iſt, wenn auch ſpannender und dramatiſcher als
in anderen Dichtungen Scheffels, wieder ſehr einfach. Ihr
Grundgedanke wurde ihm offenbar nahe gebracht durch ſein
Verhältnis zu Emma Heim, das in dem eiferſüchtigen Streite
der Fünglinge um das eine Mädchen ſich ſpiegelt. Seitdem er
in Donaueſchingen ſich niedergelaſſen, ſtand Scheffel mit der
Baſe wieder in Briefwechſel. Oſtern 1858 hatte er ſie, die in—
zwiſchen nach Emmendingen überſiedelt war, in Freiburg wieder⸗
geſehen; die Briefe der nächſten Monate laſſen erkennen, wie
hell die alte Leidenſchaft wieder in ihm aufgeflammt war. Auch
in Gedichten wollte ſie geſtaltet ſein; das prächtige „Wieder—
ſehen“ iſt damals entſtanden. Kein Zweifel, daß dies Liebes-
ſchickſal auch der Zuniperushandlung Grund und Ausgang wurde.
Ein Konterfei der Geliebten gab der Dichter in der Heldin ſei—
ner Geſchichte hier freilich ſo wenig wie im „Ekkehard“. Wollte
man ein lebendiges Vorbild für die Rothraut der Novelle ſuchen,
ſo wäre eher an Emmas Schweſter Ida zu denken. Ihr war
nach der Schilderung, die man bei E. Boerſchel („Eine Dichter⸗
liebe“, S. 55 f., 2. Aufl., Leipzig [1916]) von ihr lieſt, eine blen-
dende Schönheit gegeben, die ihr von allen Seiten Huldigungen
erzwang, bei denen die ſcheuere, ungelenkere Schweſter zurück⸗
ſtehen mußte; ſie war „eine ins Genialiſche neigende Natur,
der etwas Zigeunerblut beigemiſcht war“, von ſpöttiſchem Witz,
batte ſich achtzehnjährig verlobt und den Verlobten wieder
„leidlos verabſchiedet“: Züge und Umſtände, die auffallend zu
dem Bilde ſtimmen, das der Dichter von ſeiner Rothraut ent-



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