Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-2
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (2)
[1919]
Seite: 417
(PDF, 96 MB)
Bibliographische Information
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke2/0417
Eirileitung des Herausgebers. 417

wirft. Daß dieſe nach einem Hoffräulein der Fürſtin von Für⸗
ſtenberg geſtaltet ſei, der Scheffel damals eine unerwiderte Ver
ehrung gewidmet habe, ſcheint auf unverbürgtem Gerede zu
ruhen. Ihren Namen entnahm er einer (im übrigen unbenutzten)
5 Sage, die der Gymnaſialdirektor Dr. Fickler in Donaueſchingen
von einer Ruchtraut von Allmendshofen in Schnezlers „Badiſchem
Sagenbuch“ mitgeteilt hatte, das Scheffel mehrfach Anregungen
für ſeine Dichtung ſpendete. Ein im ſelben Buche gedrucktes läp⸗
piſches Gedicht „Der Gnom des Rheinfalls“ — ein Mädchen, das,
ſo am Rheinfall ſitzend, Kränze für den Geliebten windet, ſieht
plötzlich deſſen Leichnam den Fall hinunter treiben — könnte
den Dichter zur Erfindung ſeines Rheinordals angeregt haben/,
Die uralten Faſtnachtbräuche der Gegend wie die ſeltſame Sitte
des Sprungs in den Donauquell, worüber Scheffels Anmer-
15 kungen näher unterrichten, lieferten weitere Beſtandteile der
Erzählung. Es verſteht ſich, daß daneben noch manches Erlebte
in ihr ſteckt; die Sehnſucht, die beide Fünglinge aus der Schreib⸗
ſtube hinaus ins freie Land, ins Leben drängt, ſtand in jenen
Monaten ſtändig am Schreibpulte des Fürſtenbergiſchen Biblio⸗
thekars.
Ende des Jahres 1858 ſandte Scheffel aus Donaueſchingen
an Freund Eiſenhart, der ihn im Sommer beſucht hatte, das
Lied von Marigutta als „ein lateiniſches Gedicht, das in meiner
noch zu machenden Geſchichte — einer machen wird, der des
25 Wutachtals, der Feſte Blumenegg und des Achdorfer Wirts—
hauſes, wo wir damals ausraſteten, eingedenk iſt.“ Vollendet
ward die Niederſchrift der Novelle, nachdem er ſein Donau—
eſchinger Amt aufgegeben, im Frühjahr 1859 in Karlsruhe. Sie
blieb dann im Schreibtiſch liegen, bis er die Hoffnung aufgeben
zo mußte, den Wartburgroman zu glücklichem Ende zu führen.
Erſt ſieben Fahre ſpäter holte er ſie wieder hervor, als er in
Anton von Werner den Mann gefunden hatte, der ihm geeignet

1 Er mag dabei auch die Sage von der Gründung des Kloſters Rheinau
verwertet haben, die er in den ſchon für den „Trompeter“ benutzten „Volks-
ſagen aus dem Lande Baden“ von B. Baader (Karlsruhe 1851. S. 3) leſen
konnte: Ein Edelmann ſchläft, während er bei Schaffhauſen fiſcht, im Kahne
ein. Die Flut treibt ſein Fahrzeug den toſenden Rheinfall hinab; er erwacht
unbeſchädigt eine Stunde unterhalb des Falls und ſtiftet zum Danke für
ſeine Errettung das Kloſter Rheinau.
27

Scheffel. II.


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