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Vorwort. 42 1
von der Vergangenheit derer, die hier einſt ihre Wohn⸗
ſtätten gebaut und die an Täuſchung wie Enttäuſchung
reiche Kampfnot des Lebens in Denkweiſe und Waffen—
kleid ihrer Fahrhunderte beſtanden. Auch der erklärte
Widerſacher bläßlicher Romantik und unfreier Rückwärts—
gelüſte vermag kaum ein tiefernſtes Gefühl abzuweiſen,
wenn ihm der Archivarius der Gegenwart die zahlreichen
edeln Namen aufzählt, deren Träger hierlands gewaltig
waren, bis die Letzten des Geſchlechts mit Schild und
io Helm zur Ahnengruft beſtattet wurden.
Schon im ſechzehnten Fahrhundert waren die meiſten
erloſchen, aber noch freut ſich des oberdeutſchen Mannes
Herz jener Blütezeit der ſchwäbiſchen Lande, da die
hohenſtaufiſchen Kaiſer mit großem Anſehen und ange—
ſtrengter Tätigkeit geiſtliche, ritterliche, ſtädtiſche Kultur
förderten, da ſchneidiger Zug in den Schwertern und
ſchneidiger Schwung in den Geiſtern die junge Landes—
kraft ſiegreich fortriß nach Welſchland und Syrien und
die Rebenhügel des Bodenſee wie die Tannenforſte des
ꝛ Herzyniſchen Waldes widerklangen von dem ebenſo kunſt-
reichen als jugendlich naiven Liedgezwitſcher frühlings—
freudiger minneſeliger Singer und Singerlein.
Anmutend durch merkwürdige Geſchehnis und einen
wahrhaft dichteriſchen Hauch iſt das vorletzte Fahrzehnt
2 des zwölften Fahrhunderts, wo das zu Mainz gefeierte
Pfingſtfeſt des Fahres 1184 als herrliches Frühlingsfeſt
deutſcher Nationalkraft und deutſchen Geiſtes die ſagen—
haften Hoftage des König Artus durch heitern Glanz ver⸗
dunkelte und europäiſchen Ruf gewann, dieweil im Orient
zo langſam die Wetterwolken aufzogen.
Es war damals, wie der Geſchichtſchreiber Stälin
ſagt, „nach Beilegung ſo manchen Streites in Deutſchland
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