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Vorwort. 423
ſchoſſen, umn zuzubören, und der Bufſard abſtand von des
Keihers Verfolgung, den er drüben im Donauried auf-
gejagt. Als ſolchermaßen ein Anhauch heimatlicher Früh—
lingsbergluft und Geſangsfreude der Gedanken gelahrten
Bücherſtaub luſtig durcheinanderwirbelte, trat ihm die
Geſchichte des Juniperus vor die Seele, und er ſchrieb ſie
nieder als dichteriſche Selbſtbeantwortung jener kultur⸗
hiſtoriſchen Fragen. Er hofft damit ſeinen geſchichtver⸗
ſtändigen Leſern weder ſtoffloſe Phantasmen noch ein—
getrocknete Mumien unter Glaskaſten, ſondern lebendige
Geſtalten aus alter Zeit vorzuführen.
Sein kunſtgeübter Freund A. von Werner hat ſich
mit Hingebung der Aufgabe gewidmet, dieſe Geſtalten
bildlich zu erfaſſen und, wie im Mittelalter einer geſchrie-⸗
15 benen Dichtung ein reicher Miniaturenſchmuck zugekom⸗—
men wäre, ſo das zu druckende Büchlein mit ſchlichten,
ſinnigen Holzſchnittzeichnungen ausgeſtattet, alſo daß auf
unſern Kreuzfahrer nunmehr Wolfram von Eſchenbachs
Worte wohl angewendet werden dürfen:
„Vvon Koelne noch von Mastricht
kein schiltaere entwürfe in baz
denn als er üfem orse saz*1“.
Die Verlagshandlung hat mit rühmlicher Ausdauer
unerachtet der ſchwierigen Weltlage die Ausführung ge-⸗
2 fördert, und die Leiſtung der xylographiſchen Anſtalt von
Cloß und Ruff wird wohlverdiente Anerkennung finden.
Möge nun die freundlich gemeinte Doppelarbeit des
Dichters und des Malers unbefangen ihren Weg ſuchen
durch die von ernſten Stimmungen bewegte Zeit; möge
20
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30 „Parzival“ III, 158.
1¹ Er ſaß ſo dildſchön zu Pferde, daß kein Maler von Köln oder Maastricht
das ſchöner hätte malen können.
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