Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-2
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (2)
[1919]
Seite: 425
(PDF, 96 MB)
Bibliographische Information
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke2/0425
In kühler Gartenveranda des Kloſters auf Berg
Karmel ſaßen im Fahre des Herrn eilfhundertundneunzig
etliche deutſche Kreuzfahrer ritterlichen Standes aus dem
Heere, das Landgraf Ludwig der Milde von Thüringen,
dem großen, ſchwerfällig zu Land einherziehenden Pilger⸗
heer ſeines Oheims, des Kaiſer Friedrich Rotbart, voraus-
eilend, von Brunduſium über Meer vor Ptolemais geführt
hatte. Bei dem letzten großen Mauerſturm verwundet,
waren ſie zu Pflege und Heilung aus dem Lager nach
ſo des Karmel wohlbefeſtigter luftfriſcher Einſamkeit ver⸗
bracht worden. Ein jeder trug ſein Denkzeichen von ſara—
zeniſchem Gewaffen oder Brandͤgeſchoß griechiſchen Feuers
am Körper. Trotz ungeheurer Anſtrengung war jener
Sturm am Sonnabend nach dem Feſte Chriſti Himmel—
1s fahrt ein ſiegloſer geblieben.
Unter den thüringiſchen, rheinländiſchen und flandri—
ſchen Herren war ein ihnen unbekannter junger Kriegs—
mann, der auf dem ganzen Kreuzzug ſeither als ein
ſtummer Pilgrim mitgezogen. Erſt als ſein Fuß die Um—
ꝛ wallung des „verfluchten TCurmes“, jener Hauptbefeſti—
gung von Ptolemais, ſtürmend betreten, hatte ſeine
Zunge ſich gelöſt, und mit dem Schlachtruf: „Hilf, Sankt
Georg und Grab des Herrn, hie Neuenhewen und ſein
Stern!“ war er unter die mauerverteidigenden Kämpfer
2s Saladins geſprungen und ſtand tapfer zudruckend und
mit ſeinem Streitkolben Bahn hauend im Gewühl, bis
er ſchließlich ſchwer gewundet in den Feſtungsgraben
hinabgeworfen von den Seinigen weggetragen ward.
Die Lazarettlangweile zu kürzen, erzählten ſich die
z0 invaliden Kämpfer ihre Geſchichten und was ein jeder
daheim erlebt und erſtrebt, bis er, das Kreuz ſeinem
Waffenrock anheftend und den heißen Sand Syriens


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