Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-2
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (2)
[1919]
Seite: 429
(PDF, 96 MB)
Bibliographische Information
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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O

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Juniperus. 429

„Wie ich ſo ein acht Jahre geworden, hielten ſie Rat,
was aus mir werden ſolle; da ſprach die Muhme: Iſt
ein Knab', in dem ſteckt etwas. Des mag eine Urſache
ſein, daß ſeine Mutter, da er ungeboren unter ihrem
Herzen ruhte und der Vater in den Krieg geritten war,
ſo oft hinüberging zu ihrer Schweſter auf der Burg zu
Aach und lange Stunden am tiefblauen Quell ſaß, der
dort mit Fluſſesgewalt aufſprudelt aus den Tiefen des
Erdreichs, und daß ihr nichts lieber war, denn unter dem
Schatten der Linden in die rinnende Flut zu ſchauen und
mit ſehnendem Weh des abweſenden Eheherrn zu denken.
„Wer weiß, was Art Geiſter dort ſchalten: ſie ſagen, es

ſei ein Stück Donau ins Erdreich verſchlupft und ſtröme

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35⁵

plötzlich wieder zutage... in das Gottfriedlein iſt etwas
Elfiſches hineingekommen, daß es anders geraten iſt denn
andere.
„Auch hat dazumal das Geſtirn JFupiter regiert, das
ſchafft, daß ſeine Kinder ſanft und der Weisheit vergan—
gener Tage zugetan ſind und fromme Leute und guten
Rat und Gerechtigkeit liebhaben, aber viel Neigung zur
Stille und verborgenem Sinnen. Vom Quellhauch der
Aach aber iſt ein Zug zu allem, was rinnt und ſtrömt
und brauſt, ihm eingeprägt, der wird ihn kaum geruhig
auf dem heimatlichen Berggipfel dulden. Werdet finden,
daß er für unterirdiſch Fließen der Quellen einen ver—
borgenen Sinn hat, und wenn ihr durch die Felder mit
ihm geht, wird's an ihm zucken, wo in der Tiefe ein
Sprudel ſprudelt und oben ein Brunnen zu graben iſt.
Und wie es Schickſal der Regentropfen, die unſerer Neuen⸗
hewen Dachtraufe, wenn ſie ſüdwärts abfließen, zum
Rhein, wenn nordwärts, zur Donau entſendet, ſo wird
auch er in die weite Welt hinaus rinnen und ſchwimmen
müſſen, vom Fels zum Strom, vom Strom zum Meer,
und Gott weiß, wann er die Heimat wieder ſieht.
„Ein anderweit befremdlich Zeichen aber iſt des Buben
abſondere Freude am Strauch Wachholder, zu dem er
eine Neigung ſpürt wie ein Birkhuhn oder ein Krammets-
vogel. Warum hat er allzeit zu ſchaffen in des Wächters


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