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Juniperus. 4 35
das der verborgene Schatz, den ihm die Waſſerelfen ver-
heißen? Mit lateiniſchem Bacchantenlied wird kein Platz
unter den Heiligen Gottes und keiner unter des Kaiſers
Ritterſchaft gewonnen; von böſem Elementargeiſt rührt,
was in dir ſteckt. Und ſie ſchickte, ohne daß ich's erfuhr,
ein friſch geſchoſſen Reh in den Pfarrhof zu Geyſingen,
daß gebetet werde für Anderung meines Sinnes.
„Die Marigutta Springmitdemglas aber mit ihrem kriſ⸗
pen Haar hat mir es nicht angetan, und der kühle Linden⸗-
ſchatten von Achdorf auch nicht.. von einem anderen
ſtolzeren Krauskopf blitzenden Augs kam Leides viel über
mich und über den Diethelm.
„Oftmals wenn wir in der Vakanz, die Armbruſt um—
gehangen, durch die Baar ſtreiften, Federwild zu erjagen,
kehrten wir beim alten Markwart von Almishofen an,
deſſen feſter Ritterhof aus der Tiefe des Donaurieds die
breiten Giebel reckte, ein freier Herrenſitz, vor deſſen Tor
das vierfach geteilte Wappenſchild mit der Almishofer
Blume im Feld rechts grüßend herabwinkte. War ein
fadengerader rauher alter Herr, von dem die Leute ſcherz⸗
weiſe ſagten, es ſtecke ein Scheit Tannenholz in ſeinem
Rücken, wenn er im Sattel ſitze, aber viel Löbliches von
ritterlicher Art und Pflicht ſtund von ihm zu erfahren,
und hatte einen reichbeſetzten Harniſchſaal, die zahlreichen
Männer des Geſchlechts, das in ihm den Senior ehrte,
zu waffnen, denn der Almishofer waren viele, weit her—
um ſeßhaft in der Baar, in Hüfingen und an der Wutach
und drüben zu YBmmendingen, wo allzeit ein Füngerer
des Stamms als Kirchherr ſeiner Pfründe genoß.
„Uns aber zog es meiſtenteils bald aus Stube und
Waffenſaal hinaus in den großen Baumgarten, wo wir
des Alten drei Töchter trafen. Und wenn das Jagdglück
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ein Wildentenpaar beſchert oder einen guten Trappen,
brachten wir jenen die Beute, waren in guter Kurzweil
mit ihnen zuſammen und ſpielten das Kinderſpiel: ‚Weih,
Weih, was klopfeſt du? Da mußte der Diethelm als
Weih mit heiſerem Raubvogelgeſchrei uns umſchwirren,
die drei Edelfräulein duckten ſich wie die Küchlein ängſt—
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