Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-2
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (2)
[1919]
Seite: 439
(PDF, 96 MB)
Bibliographische Information
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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Juniperus. 4 39

‚non est unda tam profunda,
vis amoris furibunda
nos immergit fluvio““.

Dachte dabei nicht, daß bald auch an mich die Reihe kom—
men ſollte, Gleiches zu erproben.
„Aber von ſehnendem Weh befreit nicht Heilkraut noch
Gebet. Und in all mein Denken ſtellte ſich der Rothraut
wohlgetane Geſtalt, ihr Mund roſigrot, ihr Haar goldblond
und lauter, ihrer Hände Paar fein und weißblank.
10 „Und vier Wochen darauf trug derſelben Ulme Geäſt
mich ſelber aus dem heimlich geöffneten Fenſter hinab zum
Rhein, und ich ſprang in das Waſſer und ſchwamm hin⸗-
über auf das rechte Ufer, desſelben Pfades, den mein Diet-
helm geſchwommen.
15⁵ ‚Valeas, magister care,
Rhenum cogor pernatare,
Coenobitas desero**,

rief ich aus den Fluten, da ich von des guten Tannaſtus
wohlbekannter Zelle ſein Lichtlein durch die Sommernacht
ꝛ ſchimmern ſah.
„Wie ich, in die naſſen Kleider eingeſchlüpft, durch die
Waldſtille am Schwabenegg dahinſchlich und das Turm—
paar der Abtei fern und ferner zurückwich, da konnt' ich
freilich die Tränen nicht bannen und dachte: ‚Du gute,
25 gute Rheinau, darin ich ſo viel gelernt und ſo viel an
mir emporgebeſſert, wenn ſich's tun ließe und kein Frevel
wäre, daß ich jenes andere R, das mich hinübergezuckt
wie der Magnet den Eiſenſpan, herbeiholte und mit ihm
eirnziehen und leben dürfte in deinen Mauern, nimmer-
zo mehr wollt' ich dich verlaſſen haben!...“
„Auf der Neuen Hewen hub ſich wieder ein böſes Kopf⸗
ſchütteln an, da ich heimgelaufen kam. ‚Heilige Kummer-

* Stärker als der Wogen Strandung
Reißt der Minne wilde Brandung
Uns in Strom und Strudel fort.
*r Teurer Lehrer, Gott befohlen!
Durch den Rhein ſchwimm'’ ich verſtohlen
Und verlaß euch Kloſterherrn.


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