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Juniperus. 441
Glaſes zu betrachten, das aus dem Mantel des heiligen
Chriſtophorus im wohlbemalten Chorfenſter des Burgkirch⸗
leins herausgebrochen war. ‚Gelt', ſprach ſie, das ſchaut
anders drein?
„Mir grauſte, wie ich durch das rote Glas geſehen, und
ich ſagte: ‚Was dem einfachen Auge mild und freundlich
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erſcheint, das wird unter deinem Glas, o Rothraut, wild
und unheimlich: fahl rötlich ſchäumt mir der Rheinfall, im
Feuerglanz die ſonſt weißglänzenden ſonnebeſchienenen
Häuſer des andern Ufers, und die grauen Wolken flam—
men und glaſten, als wenn unterirdiſch Feuer, empordrin-
gend aus den Tiefen der Erde, durch Fels und Berg und
Wieſengeländ' durchſchimmere und am entgegengeſetzten
Himmel ſeinen infernalen Schein widerſpiegele..
„Eben darum iſt's ſchön!' ſprach ſie mit kaltem Lächeln
... „und ſo wird's ausſehen am Vorabend des Tages, da
die Poſaunen ſtrafender Engel erklingen und das Füngſte
Gericht heraufbricht über alternde Erde und Menſchheit.“
„Frevle nicht, Rothraut, werde milder! ſagte ich...
aber ſie warf ihr Haupt ſtolz zurück: ‚Gerade ſo ſprach der
Diethelm geſtern; o ihr lateiniſche Seelen! lachte ſie und
ließ mich ſtehen, huſchte in den Gof und ſpielte mit ihren
Hahnen, denen hatte ſie Glöcklein von Erz um die Hälſe
gebunden, und hetzte ſie umher, daß der Schellen Tintin—
nieren und der Hahnen Gekräh ſeltſam durcheinander
tönte.
„Da ritt ich betrübt heim. Folgenden Tages ſandte ich
einen Knaben nach Blumenegg mit einem Zettel, darauf
hatte ich in heimlicher Notenſchrift, wie einſt wir Kloſter-
ſchüler ſie in Übung hatten, geſchrieben: Diethelm, kannſt
du von dem Buchſtab' Rlaſſen?“
„Neinä! war Diethelms Antwort.
„Gleich darauf kommt ein Bote des Blumeneggers mit
einem Zettel, darauf ſteht in gleicher Schrift: ‚Juniperus,
kannſt du von dem Buchſtab' R laſſen?“
„Neinä, Diethelm!' war meine Antwort.
„Da brach harte Zeit für uns zweibeide an, die wir
bis dahin gute Geſellen und Herzbrüder geweſen.
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