Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-2
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (2)
[1919]
Seite: 445
(PDF, 96 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke2/0445
10

15

Zuniperus. 445

Schüſſeln von Fleiſch und Kraut Platz und ſchlürften die
wohlgekochten Schnecken aus ihren Häuslein und ſogen
ſchnalzend des kriechenden Wildbrets Fettſaft, denn die
Faſtnacht wäre nicht rechtmäßig gefeiert, wenn dieſer
Leckerbiſſen fehlte, und meine Muhme Petriſſa hätte keinen
Fuß gerührt von ihrem Eckfenſter herüber, wenn die
Schneckenmahlzeit nicht lockend ihr vorgeſchwebt.
„Die Zungen ſammelten ſich auf dem grünenden Anger
des Baumgartens, und wiewohl die benachbarten Berge
noch mit beſchneiten Häuptern dreinſchauten, war es ein
ſonnig milder Vorfrühlingstag.
„Dort ordnete Reinald von Urſelingen den Tanzreigen
an und hub ſich buntfarbig Gemiſch von Vermummten und
erleſenen höfiſchen Gewanden, wie die Paare, mit zier⸗
licher Verſchlingung der Hände ſich geleitend, in Kranichs—
ſchritten dahinſchritten. Jener aber tat ſich etwas zugut'
auf ſeine Führerkunſt und hielt es für Amt und Dienſt-
pflicht, als erfindungsreicher Vortänzer den Reigen nicht
nur in den gewohnten Geleiſen, ſondern bei ſteigender
Luſt des Tollens auch über Tiſche und Bänke und ander-
weit zu führen.
„Und weil am Ende des Baumgartens, von ſteinerner
Umrandung ſauber gefaßt, der große Almishofer Quell
ausſprudelt, der ſein geſteinfriſches Waſſer mit den andern
Donauquellen vereinigt, fügte es Herr Rainald, daß die
im Reigen paarweiſe Dahinwandelnden am Waſſerbecken
haltzumachen hatten. Flötenſpieler, Sackpfeifer und
Tamburer waren hinbeſtellt, die erhuben Getöſ' und
tönenden Feſtſchall. Auf ihr Zeichen mußte, wer von den
Tänzern vorüberkam, einen Sprung tun in die klar aus
klarem Bodenſand aufquillende Flut, und die Mund—
ſchenken eilten herzu und reichten einen gewaltigen Wein-
pokal, den mußte jener, bis zum Knie im Waſſer ſtehend,
leeren und zu Ruhm und Preis der Fungfrau, die mit
ihm im Reigen ſchritt, einen Spruch ſprechen. Dann hub
ſich wieder Muſik; die Kehle vom Rheinwein, die Füße vom
Donauwaſſer gefeuchtet, durfte der doppelt Genetzte in
die Reihen zurückkehren; ſchallend Gelächter war ſein Dank.


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke2/0445