Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-2
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (2)
[1919]
Seite: 451
(PDF, 96 MB)
Bibliographische Information
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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Juniperus. 451

worden, Herr Markwart', rief ich, zum beſtürzten Wirt
des Hauſes mich wendend, will Euer wacker Haus nicht
zum Kampfplatz machen, von jetzt ab zwei Stunden lang
halt' ich mit Schild und Lanze auf dem Anger jenſeit der
5 Breg; wer mich finden will, mag mich ſuchen, ſorgt für
die Muhme Petriſſa!“ Ohne Abſchied entritt ich auf wun—
dem Roſſe mit den Knechten.
„Draußen auf dem Anger hielt ich ſtreitgerüſtet.. kein
Widerſacher kam... die Alten und der Klausner mochten
io geſchwichtigt haben. Aber in mir ſchäumte und kochte es
von erlittener Unbill und unbeſonnener Jugend und Seh⸗
nen nach Rache.. und als mein gutes Roß, da wir des
Bikken Bolzen auszogen, zuſammenbrach, ſprach ich in
Wut: ‚Aug' um Auge, Zahn um Zahnt wohlauf, ihr
15 Knechte, dem Schädiger einen Gegenſchaden!
„Das toödͤwunde Roß ſchleppten wir in ſichern Gewahr⸗
ſam, ſtellten die andern Roſſe dazu und ſuchten auf wohl⸗
bekannten Schleichwegen ſelbſieben den Gauchabach, in
deſſen verborgenen Schluchten der Bikk auf ſeiner Feſte
Neuenburg horſtete.
„Und mein Anſchlag war, meinem Roßverderber ſeine
Burgmühle in Brand zu ſtecken, daß ihm ein Rachefeuer
entgegenleuchte, wenn er heimgeritten komme vom Gelag.
„Von jener Stunde an war ich Gottes und ſeiner Hei—
25 ligen nicht mehr eingedenk.
„Sonſt, wenn ich über die Höhen von Tekkingen kam,
hielt ich bei einem hölzernen Kreuze, darob das Bild des
Erlöſers in das Grün der Tannenwälder ſchaut, betete ein
Paternoſter und tat einen rundſchauenden Blick über das
zo wildſchöne Land. Noch ſteht alles wie ein reiches Farben—
bild vor meinem Aug': die Hochebene mit den eng hinab⸗
geklüfteten Spalten des Bodens, durch welche der Wiloͤ—
bach Gaucha auf dem Eillauf zu ſeinem Hauptfluß ſich
durchgefreſſen und ſchäumend zu Tal rennt. jenſeit der
3ͤe mühlenbeſetzten Schluchten lange Rücken dunkler Tann—
wälder, den dem Rhein entgegengekehrten Wutachlauf
zeichnend, darüber klar und duftig, Wanderſehnſucht und

Hochgebirgsverlangen in der Seele wachrufend, die helve-⸗


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