Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-2
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (2)
[1919]
Seite: 458
(PDF, 96 MB)
Bibliographische Information
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Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke2/0458
4 58 Juniperus.

Schwerter Schneide; dort laß uns hindurchſauſen! Wem
der Rhein durch ſeine Fälle Paß geſtattet, der mag die
Rothraut freien; wen er zerſchmettert, gut, der läßt es ſein.
„.. . Bauern aus der Nähe hatten unſere Roſſe einge—

fangen und fanden uns im Felde liegen. Schreiend kamen

ſie mit Tragbahren, uns nach der Stadt zu ſchleppen.
„Eingeſchlagen!' ſprach der Diethelm, da wir ausein-
ander kamen, eingeſchlagen, mein Leben iſt verwirkt, im
Rheinfall ſehn wir uns wieder!..

„Und was ich jetzo zum Schluß meiner Geſchichte zu er⸗
zählen habe, iſt ſchwere Aventiure. An meinem Kranken-
lager erzählten ſie, der Rainald liege auf den Tod geſchoſſen
auf der Urſelinger Burg, wiſſe nicht von wem.
„Es dauerte lang', bis unſere Wunden heil waren. Aber
als der Mai die Wieſen zu blümen begann, erhielt ich vom
Diethelm die Frage: Biſt du bereit, FJuniperus?“ und gab
zurück:‚Ich bin's, Diethelm.“ Stumm, das Geheimnis in
der Bruſt verſchloſſen, einen ZBweig vom alten Turmwach—
holder an der Fägerkappe, verließ ich die gute Neuenhewen.
„Ich habe ſie nicht wiedergeſehen.
„Und am Morgen des fünften Maien — da wir ſtürm⸗
ten am Fluchturm war der Fahrestag — knieeten wir in
der Kirche des Allerheiligenkloſters oberhalb Schaffhauſen,
taten eine chriſtliche Beicht' für alles Vergangene und mach-
ten Frieden mit Gott.
„Der Diethelm zitterte, wie er von dem Prieſter kam.
Ohne unſern Vorſatz zu offenbaren, ſchritten wir zum
Rheinſtrand. JZeder hatte ſeinen Kahn bereit, mit Rudern
und einem Fähnlein, das ſein ritterlich Wappen trug.
„Auf das Laufenſchloß über dem Fall hatten wir einen
Boten geſandt mit der Botſchaft: ‚Wenn Rothraut von
Almishofen heutigen Morgens den Söller nicht verläßt,
mag ſie auf dem Rhein Aventiure erſchauen.“’ Der Bote
hatte nicht verraten, von wem er komme.

„Mit feſt ausgepolſtertem Lederwams taten wir uns zu 35

der Fahrt an. Zwei ungleiche Halme in der Hand verſchlie-
ßend, bat ich den Diethelm zu ziehen, wem auf rechter, wem



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