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von Giſcht und Schaum und der Wellen tobendem Zu—
ſammenſchlag überſtrömt, ſank Mann und Schiff.
„Durch meinen Nachen fuhr ſchütternd ein Stoß. Waſ⸗-
ſerwirbel riß ihn wie einen Taumelnden; hinausgeſchnellt
flog Ruder, flog Wappenfähnlein in die Flut.. ich fühlte
der Strömung gähes Bergabſchießen... ſchaumumziſcht
hob ich noch einmal den Blick, da ſah ich nichts mehr rund-
um als tauig aufſprühenden Waſſerſchwall, durchglänzt
von regenbogenfarbener Spiegelung und hoch über mir
Gottes blauen Himmel... als wolle er Zeuge ſein des
vermeſſenen Schauſpiels, hielt gerade ein Gabelweih un-
beweglich droben im Äther und ſchwebte, die krummen
Fittiche ausgebreitet, ruhig und ſtarr über der Brandung.
Jetzt krachte und ſchütterte ein zweiter Stoß... ange-
prallt an verborgenem Fels barſten des Nachens Planken
... bogenförmig hinausgeſchleudert flog ich in die milch—
weiß aufſchäumende Sturzflut ... hochauf pochte das
Herz, als ſterb' es und ſei ſchon geſtorben, und um die
Ohren toſte ein Getöſe, als wenn tauſend Schmiedehäm⸗-
mer ſchwer einſchlagend niederdonnerten auf eiſerne Am—
boſe und wenn tauſend Blasbälge ziſchend in die Glut
ſchmelzenden Eiſens hineinblieſen, praſſelnde Waſſergüſſe
drauf ſtrömend, aufdampfend, lärmend, unfähig die Glut
zu löſchen.. ſo von infernalem Gebrauſ' das arme Haupt
durchtobt..Himmel, Erde, Waſſer, Feuer, Donner Gottes
und Qual der Hölle, alles mit Schnelle des Blitzes um den
Verſinkenden wirbelnd... ſo durchfauſte ich des Rheines
gräßliche Schrecken und fuhr kopfüber hinab zu Tale, wo
auf zerſpültem Kalkfels die Bretterwände einer Fiſcher⸗
hütte friedlich emporſchauen in den toſenden Strudel.
„.. Wie ich weiter ſchwimmend mich hindurchgearbei⸗-
tet, weiß ich kaum. Als mein geſchwunden Bewußtſein
wieder aufzuleben begann, war ich in der alten Kloſter—
ſchulheimat Rheinau. Fiſcher vom Nohl hatten den Da—
hintreibenden aufgefiſcht.
„In die Vorhalle der Büßer hatten mich die Mönche
gelegt... Kloſter und der Kirche Inneres dem Sünder
ſperrend.
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