Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-2
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (2)
[1919]
Seite: 472
(PDF, 96 MB)
Bibliographische Information
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke2/0472
472 Juniperus.

Felsſchlucht. Zu beiden Seiten ſteigen faſt ſenkrecht weite Kalk⸗
ſteinwände empor, von deren Zinnen ſchlanke Tannenbäume kühn
in die ſchauerliche Tiefe ſchauen, wo ſich der wilde Bergfluß zwi⸗
ſchen Gehölz und Felsſchutt ſchäumend hindurchdrängt.
Rechts zimächſt bei dem Dorfe hat ſich von der Kalkwand ein
großes Stück losgetrennt und ragt vereinzelt, in drohender Rich—
tung, gegen die Kluft hinab.
Auf dieſem Klotze, deſſen oberer Raum nicht unbeträchtlich
geweſen ſein muß, ehebevor ſich auch von ihm wieder einige Stücke
getrennt hatten, ſtehet noch die nördliche Seite eines gevierten
Turmes von ſtarker Bauart. Oa dieſelbe mit dem Felsklotze die
gleich ſchiefe Richtung hat, ſo muß ſich dieſer erſt ſpäter geſenkt
haben, welches vielleicht die Urfſache vom Zerfallen der Burg war.
Noch von Fahr zu Fahr löſen ſich ſolche Stücke los, wie die un—
geheuren Steintrümmer beweiſen, welche am Fuß der Talwände
bingelagert find.
Das Ganze gewährt einen ſeltenen, höchſt impoſanten Anblick.
Es iſt, als hätte ſich hier ein Kalkberg ſeiner Länge nach geſpalten
und wäre die Kluft mit dem herabrollenden Schutte bis zu einer
gewiſſen Höhe angefüllt und ſo das Felstal gebildet worden.
Die merkwürdige Gegend war ſchon den Römern bekannt;
eine ihrer Straßen zog ſich jenſeits der Wutach, von Stühlingen
oder Schleitheim, längs dem Fuße des Randen nach Hüfingen.
Sie mochten in der Nähe von Füeéezen, dem ſog. „Altdorf“, eine
Station haben. Man fand daſelbſt verſchiedene römiſche Gefäße,
und der Name Füezen ſelbſt deutet auf die lateiniſche Benennung
der Felsſchlucht: ad fauces. Es könnte alſo wohl der TCurm auf
dem Klotze von Blumenegg urſprünglich von den Römern her⸗
rühren, wie ſo manche Ritterburg unſerer Heimat.“ —
Dieſe treu nach der Natur gezeichnete Schilderung, Bade⸗—
nia II, p. 28, mit welcher als neueſter TCouriſt Schnars Führer
durch den Schwarzwald, Freiburg 1865, p. 223 verglichen werden
mag, möge dartun, wie das Eigenartige dieſer Wutachlandſchaft
anerkannt wird. Der Altertumsforſcher Leichtlen ſetzt den Orts-
namen Blumenegg in Beziehung zu dem römiſch⸗galliſchen Zulio-
magus, den er für gleichbedeutend mit dem deutſchen Strom⸗—
namen Wutach hält. Forſchungen, p. 36.
Anfänge und Herkommen des blumeggiſchen Geſchlechtes ſind
dunkel. Suevos ignorat qui Blumeggensem prosapiam nescit,
ſagt ein ſankt blaſiſcher Geſchichtſchreiber, ohne feinen Satz näher
zu begründen. In nicht großer Entfernung beſtehen jenſeit Then⸗
gen eine Burg und Herrſchaft Blumenfeld ſowie am Randen


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