Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-2
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (2)
[1919]
Seite: 481
(PDF, 96 MB)
Bibliographische Information
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Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



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Anmerkungen: Almishoven. 48 1

Vicarius von Sankt Georgen energiſch wiederholt, „dieſe Almets-
hofer unter denen drei Hauptquellen die vornehmbſte“. — Wer
jedem das Seinige gönnt, der wünſcht indes weder dieſer harm—
loſen Frage vom Donauquell, noch jenen weltbewegenderen Fra—
gen, die an den Donaumündungen des Austrags harren, Löſung
durch das „Recht der Stärkeren“.
Die in hohes Altertum hinaufreichende Sitte, den Urſprung
eines Stromes, deſſen Waſſer als beſonders heilig und heilſam
galt, durch Hineinſpringen und Untertauchen zu verehren (ſiehe
Runge, Der Quellcultus in der Schweiz), iſt bezüglich des Quells
im Schloßhofe zu Donaueſchingen ſchon im 17. Fahrhundert als
„alter Gebrauch“ dokumentiert und hat, im Charakter jener Zeit
ausgeführt, zu manch derbem Scherz Anlaß gegeben. Die Fürſt—
liche Bibliothek bewahrt einen braungebundenen Folioband in
Goldſchnitt, genannt das „Donauprotokoll“, welches Landgraf
Ferdinand Friedrich († 28. Aug. 1662) im Fahr 1660 neu geſtiftet
hat, „demnach durch daß im Teutſchlandt langwüriges verderb—
liches kriegsweſen zu deme in dieſer Gräffl. Fürſtenberg Reſidenz
Donauweſchingen entſpringenden weit berüembten Flus gehören⸗
des Protocollum, worinnen Ertzhörtzogen, Hertzogen, Fürſten,
Marggrafen, Grafen, Herren und Edle, welche altem ge—
brauch nach zu ainem Willkom und Ewiger Gedacht⸗
nus in diſen Brun geſprungen, mit aigen hannden ſich
angeſchriben, verlohren worden“. L
Dies Donauprotokoll aus den Fahren 1660 bis 1665 enthält
in deutſcher und franzöſiſcher Sprache eine Reihe luſtiger, meiſt
gereimter Einträge ſolcher, die den feſtlichen Willkommſprung ge—
tan und gleichfam noch triefend und frierend vom kalten Donau—
bad ihre Empfindungen bei dieſem Abenteuer der Nachwelt auf—
zeichneten. Mit Doppelhaken oder Piſtolenſalven und Böllerſchüſ—
ſen wurden die Gäſte, auch in kühler Zeit des Vorfrühlings, zum
Sprung animiert, ein Tuſch von Trompeten und Heerpauken be⸗
grüßte die Hineingeſprungenen, ein ſtattliches Stengelglas, ge—
nannt die „Sackpfeife“ und gefüllt mit „ehrlichem“ Moslerwein,
wurde den Frierenden zu innerer Erwärmung hinabgereicht und
von ihnen auf das Wohl des edeln Hauſes am Donauquell ge—
leert. Im Torhäuſel hinter dem Ofen war den alſo Getauften
und vor Froſt Zitternden Gelegenheit geboten, wieder in trockene
Kleider zu fahren und einen Reim zum Eintrag in das Protokoll
zu erſinnen. L



Scheffel. II. . .. 31


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