Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-2
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (2)
[1919]
Seite: 482
(PDF, 96 MB)
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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482 Zunperug.

Die von Urslingen.
'rsilinga- Urſelingen — Irslingen, Dorf und Burg nord⸗-
öſtlich von Rottweil am Bach Schlichem, Stanmmſitz der freien
Herren von Urslingen.
Die Bewegung, welche während der hohenſtaufiſchen Reichs⸗
kriege in Italien ſo manches oberdeutſche Adelsgeſchlecht erfaßte
und tapfere Degen von der heimiſchen Scholle himweg in neue
Wirkungskreiſe verſetzte, eröffnete auch den Urſelingern eine un⸗
erwartete Laufbahn. S. Ahland in Pfeiffers Germaniak, 317.
Ahnlich wie ſein Waffengefährte Markwart von Annweiler,
welchem hohenſtaufiſcher Dienſt die Würde eines „Seneſchall des
Reiches, Herzog von Ravenna und Romaniola, Graf von Molifi“
eintrug, wurde Konrad von Urſelingen vom Kaiſer Friedrich
Rotbart 1183 zum Statthalter von Spoleto erhoben und mit der
Herzogswürde bekleidet. Unter Kaiſer Heinrich VI. Reichsverweſer
in Sizilien, nach deſſen Tode 1198 von der päpſtlichen Partei, der er
vergeblich eine Abfindungsſumme anbot, nach Deutſchland zurück⸗
gedrängt, vererbte er ſeine glänzenden, aber unſicheren Anſprüche
auf ſeine Söhne Rainald und Berthold, welche in engem An⸗
ſchluß an den Hohenſtaufen Friedrich II. große Anſtrengungen
machten, ihr „Herzogtum Spolit“ wieder zu erkämpfen, und es
auch wirklich vorübergehend wieder erlangten. Als Friedrich II. ſich
1228 zum Kreuzzug bereitete, ernannte er für ſeine Abweſenheit
Rainald, den Herzog von Spoleto, zum Reichsverweſer in Unter⸗
italien. Sein Bruder Berthold war 1226 Statthalter in Tuscien.
Nach dem Untergang der Hohenſtaufen definitiv aus Italien
vertrieben, führten die Nachkommen dieſer Brüder auf ihrer kleinen
Stammherrſchaft im Schwarzwald ihren Herzogstitel fort. Wie
im XIV. Jahrhundert Werner von AUrfelingen als „Duca
Guarnieri, gefürchteter Führer der großen Kompagnie, Feind
Gottes, des Mitleidens und der Erbarmung“, in Welſchland hauſte
und die Vertreibung ſeiner Ahnherren mit Krieg und Raub zu
rächen ſuchte (1342), iſt bekannt.
Ebenſo das ſchickfalernſte Herabſinken des einſt ſo romanhaft
emporgeſtiegenen Geſchlechtes, deſſen letzter Rainald nach des
Geſchichtſchreibers Tſchudi gröblichem Ausdruck „als ein armer
verdorbener Bettelherzog zu Schiltach am Schwarzwald ſaß“, feine
Zeit in kleinlichen Fehden, Freibeutereien und Händeln mit ſeinen
ſchwarzwäldiſchen Nachbarn zubrachte und um 1446 als ein bei
den kaiſerlichen Landgerichten vielverklagter und vielverurteilter
Mann mit Helm und Schild zur ewigen Ruhe einging. S. Zeitſchr.
für Geſch. des Oberrheins VI, 474. XIV, 225.


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