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Frau Aventiure, S. 3 3— 41. 485
„De iolif cuer chanterai
bone amor men prie.
et tous iors iolif ferai.
et sens uelonnie.
car tuit bien uienent dameir.
por ceu ains sens fauceteit.
ne iai por chaistiement.
mes fins cuers ne se tenrait
dameir joliefement.
„Lies et renuoivxies ferai.
por uos douce amie.
et saichies tant com uiurai.
en uostre baillie.
ueul estre sens iai feureir.
car ou mont nait uostre peir.
et tuit bien entierement.
font en uos si en morai
se ie nai aligement.
„Belle dame en uos ai mis.
cüer et cors et uie.
ne iai ne men pertirai.
nul iour de ma uie.
maix ie uos ueul demandeir.
ke medissans escouteir
ne ueullies., en uo viuant.
car lai frans cuers namerait
vanteor ne mesdixant.“ L
Eine kritische Ausgabe nach beiden Handschriften, die das Ge-
dicht überliefern, gab J. Brackelmann, Les plus anciens Chan-
sonniers français, S. 48 (Paris 1870—91). Nur in der von Wacker-
nagel abgedruckten Berner Handschrift wird das Gedicht übrigens
Chrestien de Troyes zugeschrieben, in einer zweiten bleibt es namen-
los, und W. Förster, Kristian von Troyes, Wörterbuch, S. 204 f.
(Halle 1914), Spricht es aus sprachlichen Gründen dem großen Dich-
ter mit Entschiedenheit ab.
In der Übersetzung hat Scheffel in Wörtern und Wendungen,
wie Minne, dörperlich, falſcher Mut, in Freuden ſchweben, um Huld
dienen, des Guten Überſchwang, erſterben, mittelhochdeutsche Rede-
weise glücklich nachgebildet.
Wolfram von Eſchenbach (S. 39 ff.).
S. 41. Die Ausreiſe. Die Strophenform von Scheffels Gedicht
ist eine Weiterbildung der Strophe der ersten „Uzreise“ in Ulrich
von Lichtensteins „Frauendienst“ (herausgegeben von K. Lachmann
und Th. Karajan, Berlin 1841, S. 403, 25f.). Auch Ausdruck und
Gedanken lehnen sich mehrfach eng an dieses Gedicht sowie an die
zweite „Uzreise“ (daselbst, S. 456,25 f.) Vgl. zu Str. 1:
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