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490 Anmerkungen des Herausgebers.
Stadt als ein Strafgericht Gottes geschildert wird, das durch die
Sünden und Laster der Griechen herbeigeführt wurde. Den Nach-
weis dieses ννοo konnte Scheffel ebenso wie die in seiner Anmer-
kung 47 angeführte Stelle aus Nicetas bei F. Wilken, Geschichte
der Kreuzzüge, Bd. 5, S. 311 f. (Leipzig 1829), finden.
Magnus vom finſteren Grunde (S. 114ff.).
Der Liederkranz entstand im Herbste 1860 aus der Erinnerung
an die Abweisung durch Julie Artaria, um die der Dichter nach
einem Balle geworben; auch Erinnerungen an das Abenteuer von
Rippoldsau im Sommer 1856 wetterleuchten noch hinein. Vgl. den
Lebensabriß S. 32* und 43* sowie die Einleitung zu „Hugideo“.
Die Stimmung, in der diese Magnuslieder — Magnus war der Vor-
name von Scheffels Großvater — gedichtet wurden, erhellt aus einem
Briefe Scheffels an den Großherzog Karl Alexander vom 8. Oktoher
1860 (Proelß, S. 5347): Dann aber kam ein großer gerechter Zorn über
mich, der mit Dingen zuſammenhängt, über die Schweigen befſer
iſt. Die bittere Erfahrung, daß trotz allen Schillerfeſten und Schiller—
ſtiftungen, trotz allem ſchönen Gerede und Schwärmen für die Kunſt,
der Künſtler ſelber in Deutſchland immer noch zu den Leuten von
verdächtiger ſozialer Poſition gerechnet wird, dem man ein wohl⸗
erzogenes Cöchterlein nicht wohl zur Frau geben kaun:. Dieſe
Erfahrung mit ihrem Kometſchweif von Lächerlichem, Komüſchen, zu
Hohn Herausforderndem hat meine Reigung zur Iſolierung und
große Menſchenſcheu ſehr beſtärkt.
Die Beschreibung der Stadt in den Magnusliedern paßt auf
Basel, durch das der Dichter auf der Schweizer Reise des Herbstes
1860 wieder gekommen sein muß.
Heinrich von Ofterdingen (S. 121fl.).
S. 121. Abſchied von der Stiraburg. Das Gedicht reicht ins
Jahr 1859 zurück. Die vorletzte Strophe führt Scheffel in einem
Briefe an Aug. v. Eisenhart vom 27. Dezember 1859 an, freilich in
einer sehr abweichenden Gestalt, vgl. die Bemerkungen „Zur Ge-
staltung des Textes“ (unten, S. 498).
S. 123. Junge Minne. Alberta von Freydorf berichtet im
„Jahrbuch“ 1897, S. 6 nach Mitteilungen des Dichters, daß sie
selbst ihm die Anregung zu dem Gedichte gegeben, als sie, eben aus
klösterlicher Erziehung weltscheu und stumm zurückgekehrt, einst
in rotem Mieder von einem Felsen über den Wasserfällen von Aller-
heiligen im Schwarzwald heruntersah.
S. 123. Seeabendrot. Daß dieses Gedicht am Hallwyler See ent-
standen sei, bemerkt Frey: „Schweizer Freunde“, S. 24. UÜber die Ver-
anlassung dieses und der beiden folgenden Gedichte vgl. oben, S. 487.
S. 124. Der Papegan. Den Gedanken zu diesem Liede dürfte
Scheffel eine Strophe Heinrichs von Morungen eingegeben haben
Gn „Minnesangs Frühling“, 132 35):
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