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492 Anmerkungen des Herausgebers.
Der Trompeter von Säckingen (S. 175 — 394).
V. 118. Fehlt ihm der Tendenz Verpfefferung scheint eine
Erinnerung an den Schluß von Kaput II des „Atta Troll“ in der
Fassung, wie er 1843 in der,‚Zeitung für die clegante Welt“ gedruckt
war (s. die Lesarten in Bd. 2 der Werke Heines, herausg. von E.
Rister, S. 526):
„Traum der Sommernacht, phantastisch
Zwecklos ist mein Lied! Ja zwecklos
Wie das Leben, wie die Liebe!
Wittert nicht darin Tendenzen“ —
V. 417 fk. Zu der Bescelung der Tannen vgl. die 2. Säckinger
Epistel in Bd. 4 dieser Ausgabe, S. 226.
V. 777ff. Der Erzählung von Werners Einkehr beim Pfarrherrn
liegt wohl die Erinnerung an Scheffels Einkehr beim Pfarrer von
Herrischried zugrunde, die seine 4. Epistel aus Säckingen eingehen-
der schildert, unten, Bd. 4, S. 242 f.
V. 812 ff. Werners Ablehnung der Schicksale des Odysseus ist,
worauf Elster mich aufmerksam macht, sichtlich angeregt durch
Heines Nordseegedicht „Poseidon“ (Werke, herausg. von Elster,
Bd. r, S. 169).
V. 9533. Das Stammbuchblatt auf der Wange ist ebenso eine
EFrinnerung aus Heine: „Deutschland, ein Wintermärchen“, Ka-
put 23: „Dessen Gesicht Ein Stammbuch, worin mit Hieben] Die
akademischen Feinde sich] Recht leserlich eingeschrieben.“
V. 1050 ff. Mit den geschichtlichen Persönlichkeiten und der ge-
schichtlichen Zeitfolge geht Scheffel im „Trompeter“ so frei um wie
im „Ekkehard“. Kurfürst war zur Zeit der Handlung des Trom-
peters Karl Iudwig (1632—80), dessen erste Gattin Rlisabeth von
Hessen, dessen zweite Luise von Degenfeld war. Nur in den ersten
Jahren hatte für ihn sein Oheim Pfalzgraf Ludwig Philipp die
Regierung geführt; er war mit einer brandenburgischen Prinzessin,
Marie Bleonorc, vermählt. Ein Liebeslied, das Friedrich V. an
seine engländische Gemahlin Elisabeth Stuart gerichtet hätte, gibt
es meines Wissens nicht. Die Erfindung Scheffels wird angeregt sein
durch die Briefe, die Friedrich V. der Braut und Gattin geschrieben
und in der Tat mit den überschwenglichsten Versicherungen seiner
Dienstbereitschaft durchsetzt hat (z. B. Acceptés moi donc pour
votre Serviteier très humble, je vons splie, et croyés, Madame, ge ce
setl honneur me pert rendre content oder gue je me trouze dee t0nt
asstejetti soies les loix de vos commandemens oder commandés moy
serwlement d; in es selon votre hemeter et rolonté je vive; vgl. den
Abdruck der Briefe bei Joh. Chr. Freyh. v. Aretin, „Beyträge zur
Geschichte und Literatur“, Bd. 7, S. 140 ff., München 1806). Auf
die Briefe mag Scheffel durch seines Freundes IL. Häusser, , Geschichte
der rheinischen Pfalz“, Bd. 2, S. 260 f. (Heidelberg 1845), aufmerk-
sam geworden scin. Seine besondere Formulierung der Dienst-
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