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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0013
12 Ektkehard.

verſtändnis mit dem Verleger noch die 285 gelehrten Anmer—
kungen ausgearbeitet; im Februar waren auch ſie fertiggeſtellt,
zu Anfang Juni 1855 konnte das Buch erſcheinen.
Es war ein geſchichtlicher Stoff, den Scheffel als Vorwurf
gewählt hatte. Er hielt ſich dabei freilich keineswegs genau an

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die wirkliche Geſchichte, Zeit und Perſonen ſind ſtark verrückt und

durcheinander gerüttelt. So iſt etwa Karl der Dicke 888 ge—
ſtorben, konnte alſo unmöglich mit gegen die Hunnen kämpfen,

deren Überfall auf Sankt Gallen ins Fahr 926 gehört. Beide

EFreigniſſe ſtellt der Dichter in Hadwigs Witwenzeit, während
deren Gatte, der Schwabenherzog Burkhard II., erſt 973 geſtorben
iſt. Als Hadwig Sankt Gallen beſuchte, war dort Purchhard Abt,
nicht Craloh; Rudimann war Abt von Reichenau, nicht Keller—
meiſter, Dichter des „Waltharius“ war nicht jener Ekkehard II.,
„der Höfling“, der Hadwig im Virgil unterrichtete, ſondern Ekke-⸗
hard I., und ſein Werk gehört in die Zeit bald nach 926; man
mag faſt bedauern, daß Scheffel nicht Peipers Hypotheſe ge—
kannt hat, daß der Einfall der „Hunnen“ in Sankt Gallen die
Dichtung von dem Hunnenſtreiter Walthari angeregt habe, was
eine beſſere Begründung dafür gegeben hätte, wie Ekkehard ge—
rade auf dieſen Stoff verfiel, als Scheffel ſelbſt ſie im 23. Ka—
pitel gibt. Natürlich war es des Dichters gutes Recht, dieſe und
vielfache andere Verſchiebungen nach dem Bedürfniſſe ſeiner
Dichtung vorzunehmen, und ſie fallen uns nirgends beſchwerlich,
denn wer wüßte ohne gelehrte Studien über dieſe Dinge ge—

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naueren Beſcheid? Scheffel hatte eben keineswegs die große

Veltgeſchichte, bekannte Ereigniſſe und Menſchen der Vergangen-
heit von feſtſtehender Prägung als Vorwurf erkoren, vielmehr
iſt's wie im „Trompeter“ ein enger und gleichſam privater Kreis,
der uns geſchildert wird, abſeits von den Bahnen des großen
brauſenden Weltgeſchehens, das nur noch mit leiſerem Wellen-
ſchlag an dieſe ſtillen Ufer plätſchert. Zwar ſteht die regie—
rende Fürſtin eines großen deutſchen Stammesherzogtums im
Mittelpunkt; aber gerade an ihr zeigt ſich — in dieſem Falle
geradezu gegen alle Wirklichkeit und Wahrſcheinlichkeit — jener
ins Idylliſche oͤrängende Zug der Scheffelſchen Dichtung. Nach
ihren äußeren Verhältniſſen iſt Hadwig als eine kleine Burgfrau

gezeichnet; aus einer Zofe und einem Kämmerer beſteht neben

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