Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0016
10

20

25

30

35

Einleitung des Herausgebers. 15

er dem heiligen Audifax, den wiederum der 2. Monumenten⸗-
band in Nithards Geſchichtswerk (3. Buch, 2. Kap.) überliefert.
Den allgemeinen Hintergrund ſeiner Handlung ſo reich zu
machen, wie in ſeinem Romane geſchehen, hat Scheffel zahlloſe
geſchichtliche, mythologiſche und volkskundliche Tatſachen, die ihm
aus ausgebreiteter Beleſenheit und ſcharfer Beobachtung des
Lebens bekannt waren, höchſt geſchickt und meiſt ganz zwanglos
in ſeine Darſtellung eingewebt. Es ſind eigentlich nur zwei Dinge,

an denen man Anſtoß nimmt: einmal wirkt bei manchen rechts⸗—

geſchichtlichen Notizen die Abſichtlichkeit ein wenig verſtimmend
— hier verrät der Roman noch ſeine Entwicklung aus einer rechts-
geſchichtlichen Abhandlung —, zum anderen mutet die breite
Wiedergabe von Gunzos Streitſchrift dem Leſer mehr zu, als er
unbefangenerweiſe ertragen möchte.
Indem der Dichter die Umwelt ſeiner Hauptperfſ onen bis in
alle Winkel hinein erhellt, läßt er jene ſelbſt und ihre inneren
Erlebniſſe freilich auf lange Strecken im Schatten. Mit ſo präch⸗
tigen Zügen die Herzogin in ihrem Verhältnis zu Praxedis, zu
ihren Untertanen, zu Virgil ins einzelne gezeichnet iſt, über die
Wandlung, die ſie in ihrer wichtigſten Beziehung, zum Helden
der Geſchichte, erfährt, werden nur ſparſame Andeutungen ge—

geben. Fein und zart wird Ekkehard uns geſchildert in der Keuſch-

heit und Unſchuld, dem ſtillen Weben und Träumen ſeines Weſens,

ſeiner linkiſchen Unbeholfenheit vor der Neigung einer welthell⸗

ſichtigen Frau, in alledem ein deutliches Abbild des Dichters ſelbſt.
Aber auch ſeine Entwicklung hat den Dichter nur auf ihrer letz⸗
ten Stufe, in ſeiner Geſundung in und durch eine große Natur
und dichteriſches Schaffen, eingehend beſchäftigt; auch hier war

die Erzählung eben Spiegelung eigenen Erlebniſſes. Alles an- .

dere aber war und blieb gedacht, und der Dichter hat ſich keine
allzu große Mühe gegeben, das einzelne zu geſtalten. Wie merk ·
würdig doch, daß ſelbſt der Widerſtreit, in den Ekkehard im Auf⸗
keimen und ſtürmiſchen Anwachſen ſeiner Liebe mit ſeinem
Mönchsgelübde geraten mußte, nur flüchtig geſtreift iſt, ob—
wohl der ausführlich geſchilderte Auftritt mit Rudimann inner-
halb des Aufbaues des Ganzen doch darauf angelegt war, zu
zeigen, wie ernſt und fromm Ekkehard ſein Gelübde nahm, und
den Hintergrund zu liefern hatte, von dem Ekkehards Verfehlen


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0016