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28 — Ekkedord
und ziſchte, und die baſaltiſchen Maſſen glühend durch der
Erdrinde Spalten ſich ihren Weg über die Waſſerſpiegel
bahnten. Aber das iſt ſchon lange her. Es iſt Gras gewachſen
über die Leiden derer, die bei jener Umwälzung mitleidlos
vernichtet wurden; nur die Berge ſtehen noch immer, ohne
Zuſammenhang mit ihren Nachbarn, einſam und trotzig wie
alle, die mit feurigem Kern im Herzen die Schranken des
Vorhandenen durchbrechen, und ihr Geſtein klingt, als
ſäße noch ein Gedächtnis an die fröhliche Fugendzeit drin,
da ſie zuerſt der Pracht der Schöpfung entgegengejubelt.
Zur Zeit, da unſere Geſchichte anhebt, trug der hohe
Twiel ſchon Turm und Mauern, eine feſte Burg. Dort
hatte Herr Burkhard gehauſt, der Herzog in Schwaben.
Er war ein feſter Degen geweſen und hatte manchen Kriegs⸗
zug getan; die Feinde des Kaiſers waren auch die ſeinen,
und dabei gab es immer Arbeit: wenn's in Welſchland
ruhig war, fingen oben die Normänner an, und wenn die
geworfen waren, kam etwann der Ungar geritten, oder
es war einmal ein Biſchof übermütig oder ein Grafe
widerſpenſtig, — ſo war Herr Burkhard zeitlebens mehr
im Sattel als im Lehnſtuhl geſeſſen. Demgemäß iſt er⸗
klärlich, daß er ſich keinen ſanften Leumund geſchaffen.
In Schwaben ſprachen ſie, er habe die Herrſchaft ge—
führt, ſozuſagen als ein Zwingherr, und im fernen Sach-⸗
ſen ſchrieben die Mönche in ihre Chroniken, er ſei ein kaum
zu ertragender Kriegsmann geweſen!.
Bevor Herr Burkhard zu ſeinen VBätern verſammelt
ward, hatte er ſich noch ein Ehgemahl erleſen. Das war
die junge Frau Hadwig, Tochter des Herzogs in Bayern.
Aber in das Abendrot eines Lebens, das zur Neige geht,
mag der Morgenſtern nicht freudig ſcheinen. Das hat ſei⸗
nen natürlichen Grunds. Darum hatte Frau Hadwig den
alten Herzog in Schwaben genommen ihrem Vater zu
Gefallen, hatte ihn auch gehegt und gepflegt, wie es einem
grauen Haupt zukam, aber wie der Alte zu ſterben ging,
hat ihr der Kummer das Herz nicht gebrochen.
Da begrub ſie ihn in der Gruft ſeiner Bäter und ließ
ihm von grauem Sandſtein ein Grabmal ſetzen und ſtif—
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