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32 Ehrb;Vkehard.

den Sinn geflogen ſein, der Star ſollte den Hochzeitsſpruch

ſagen. Der Star aber hatte ſeinen frommen Tag. Und
wie ihn Praxedis ins Gemach trug, rief er feierlich:
„Amen!“ und wie Frau Hadwig ihm ein Stück Honig—
kuchen in den Käfig reichte und ſchmeichelnd fragte: „Wie

war's mit dem Stern am ſchwäbiſchen Himmel, Freund

Star?“ da ſprach er langſam: „Führe uns nicht in Ver⸗
ſuchung!“ Wie ſie aber zur Ergänzung ſeines Gedächt—
niſſes ihm zuflüſterte: „Der Stern heißt Hadwig, Heil
ihm!“ — da fuhr der Star in ſeiner Melodie fort und
intonierte würdig: „Erlöſe uns von dem Übel!“

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„Fürwahr, das fehlt noch, daß auch die Vögel heuti-

gentages unverſchämt werden“, rief Frau Hadwig,
„Burgkatze, wo ſteckſt du?“ und ſie lockte die ſchwarze Katze
herbei, der war der Star ſchon lange ein Dorn im Auge,
mit funkelnden Augen kam ſie geſchlichen.
Frau Hadwig erſchloß den Käfig und überantwortete
ihr den Vogel, der Star aber, dem ſchon die ſcharfen Kral⸗
len das Gefieder zauſten und etliche Schwungfedern ge—⸗
knickt hatten, erſah noch ein Gelegenheitlein und entwiſchte
durch einen Spalt am Fenſter.
Bald war er verſchwunden, ein ſchwarzer Punkt im
Nebel.
„Eigentlich“, ſprach Frau Hadwig, „hätt' ich ihn auch
im Käfig behalten können. Praxedis, was meinſt du?“
„Meine Herrin hat bei allem recht, was ſie tut“, er⸗
widerte dieſe.
„Praxedis“, fuhr Frau Hadwig fort, „hol' mir meinen
Schmuck. Mich geluſtet, eine goldene Armſpange anzu⸗-
legen.“
Da ging Praxedis, die immerwillige, und brachte der

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Herzogin Schmuckkäſtchen. Das war von getriebenem

Silber, mit ſtarken unfertigen Strichen waren etliche Ge—
ſtalten darin angebracht in erhabener Arbeit, der Heiland
als guter Hirt und Petrus mit dem Schlüſſel und Paulus
mit dem Schwert, ſamt allerhand Blattwerk und reich
verſchlungener Zierart, als wenn es früher zur Auf—
bewahrung von Reliquien gedient hätte. Es war durch

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