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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0041
40 Ekkehard.

rittene!“ ſprach er nach prüfendem Lauſchen; er ließ das
Fallgatter vom Tor herniederraſſeln, zog das Brücklein,
was über den Waſſergraben führte, auf und langte ſein
Horn vom Nagel. Und weil ſich einiges Spinnweb' drin
feſtgeſetzt hatte, reinigte er dasſelbe.
Jetzt kamen die vorderſten des Zuges am Waldſaum
zum Vorſchein. Da fuhr Romeias mit der Rechten über
die Stirn und tat einen ſonderbarlichen Blick hinunter.
Das Endergebnis ſeines Blickes war ein Wort: „Weiber-
völker!?“ — er ſprach's halb fragend, halb als Ausruf, und
lag weder Freudigkeit noch Auferbauung in ſeinem Worte.
Er griff ſein Horn und blies dreimal hinein. Es war ein
ungefüger ſtiermäßiger Ton, den er hervorlockte, und war
dem Hornblaſen deutlich zu entnehmen, daß weder Muſen
noch Grazien die Wiege des Romeias zu Villingen im
Schwarzwald umſtanden hatten.
Wenn einer im Wald ſich umgeſchaut hat, ſo hat er
ſicher ſchon das Getrieb eines Ameiſenhaufens angeſehen.
Da iſt alles wohlgeordnet und geht ſeinen gemeinſamen
Gang und freut ſich der Ruhe in der Bewegung: itzt fährſt
du mit deinem Stab darein und ſcheucheſt die vorderſten:
da bricht Verwirrung aus, Rennen und wimmelnder Zu—
ſammenlauf — alles hat der eine Stoß verſtört. Alſo und
nicht anders fuhr der Stoß aus Romeias Horn aufjagend
ins ſtille Kloſter.
Da füllten ſ ich die Fenſter am Saal der Kloſterſchulen
mit neugierigen jungen Geſichtern, manch lieblicher Traum
in einſamer Zelle entſchwebte, ohne ſeinen Schluß zu fin⸗
den, manch tiefſinnige Meditation halbwachender Denker
desgleichen; der böſe Sindolt, der in dieſer Stunde auf
ſeinem Schragen“ des Ovidius verboten Büchlein „Von
der Kunſt, zu lieben“ zu ergründen pflegte, rollte eiligſt
die pergamentnen Blätter zuſammen und barg ſie im
ſchützenden Verſteck ſeines Strohſacks.
Der Abt Eralo ſprang aus ſeinem Lehnſtuhl und reckte
ſeine Arme der Decke ſeines Gemachs entgegen, ein ſchlaf⸗

* Auf ſeinem Lager.

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