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44 Ekkehard.
ſingend hinab auf die Wolfsjagd oder ſuchte einen ehrlichen
Fauſtkampf zur Erholung, er focht lieber mit böſen Men⸗
ſchen als mit nächtlichem Spuk und ſagte oft im Vertrauen
zu ſeinem Freund Notker: „Wer ſo manchem in Chriſten-
heit und Heidenſchaft ein blaues Denkzeichen verabreicht,
wie ich, kann der Dämonomachia“ entbehren.“ L
Auch Ratpert kam herzu, der lang' erprobte Lehrer der
Schule, der immer unwillig auffuhr, wenn ihn das Kapitel⸗-
glöcklein von ſeinen Geſchichtsbüchern abrief. In vorneh⸗
mer Haltung trug er das Haupt; er und die beiden andern
waren ein Herz und eine Seele, ein dreiblättriger Kloſter⸗
klee, ſo verſchieden auch ihr Weſen?n. Weil er unter den
letzten in den Saal trat, kam Ratpert neben ſeinen Wider-
ſacher zu ſtehen, den böſen Sindolt, der tat, als ſähe er
ihn nicht, und flüſterte ſeinem Nachbar etwas zu; der war
ein klein Männlein mit einem Geſicht wie eine Spitzmaus
und kniff den Mund zuſammen, denn Sindolt hatte ihm
ſoeben zugeraunt, im großen Wörterbuch des Biſchofs
Salomoꝰ ſei zu der Gloſſe: „Rabuliſta bedeutet einen,
der über jeglich Ding der Welt disputieren will“, von un⸗
bekannter Hand zugeſ chrieben worden: „Wie Radolt, unf er
Denkmann.“
Aus dem Dunkel im Saalesgrund ragte Sintram her⸗
vor, der unermüdliche Schönſchreiber, deſſen Schriftzüge
die ganze zisalpiniſche Velt bewunderte?,; die größten von
Sankt Gallus Füngern an Maß des Körpers waren die
Schotten, die am Eingang ihren Stand nahmen, Forte-
gian und Failan, Dubslan und Brendan und wie ſie alle
hießen, eine untrennbare Landsmannſchaft, aber mißver-
gnügt über Zurückſetzung; auch der rotbärtige Dubduin
ſtand dabei, der trotz der ſchweren eiſernen Bußkette nicht
zum Propſt gewählt ward und zur Strafe für ſeine beißen⸗
den Schmähverſe auf die deutſchen Mitbrüder drei Jahre
lang den dürren Pfirſichbaum im Kloſtergarten begießen
mußte.
Und Notker, der Arzt, ſtund unter den Verſammelten,
* Des Kampfes mit Dämonen.
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