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2. Die Zünger des heiligen Gallus. 45

der erſt jüngſt des Abts hinkendem Fuß die große Heilkur

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verordnet hatte mit Einreibung von Fiſchgehirn und Um—
ſchlag einer friſch abgezogenen Wolfshaut, auf daß die
Wärme des Pelzes die gekrümmten Sehnen gerad biege?:
ſie hießen ihn das Pfefferkorn ob ſeiner Strenge in Hand-
habung der Kloſterzucht; — und Wolo, der keine Frau
anſehen konnte und keine reifen Äpfels, und Engelbert,
der Einrichter des Tiergartens, und Gerharoͤ, der Predi—
ger, und Folkard, der Maler: Wer kennt ſie alle, die löb⸗
lichen Meiſter, bei deren Aufzählung ſchon das nächſtfol⸗—
gende Kloſtergeſchlecht wehmütig bekannte, daß ſolche
Männer von Tag zu Tag ſeltener würden?
Jetzo beſtieg der Abt ſeinen ragenden Steinſitz, und
ſie ratſchlagten, was zu tun. Der Fall war ſchwierig.
Ratpert trat auf und wies aus den Aufzeichnungen ver⸗
gangener Zeit nach, auf welche Art einſt dem großen Kaiſer
Karl ermöglicht worden, in des Kloſters Inneres zu kom—
men?“s. „Damals“, ſprach er, „ward angenommen, er ſei
ein Ordensbruder, ſolang' er in unſern Räumen weile,
und alle taten, als ob ſie ihn nicht kenneten; kein Wort
ward geſprochen von kaiſerlicher Würde und Kriegstaten
oder demütiger Huldigung, er mußte einherwandeln wie
ein anderer auch, und daß er des nicht beleidigt war,
iſt der Schutzbrief, den er beim Abzug über die Mauern

hineinwarf, Zeuge.“

Aber damit war das große Bedenken, daß jetzt eine
Frau Einlaß begehrte, nicht gelöſt. Die ſtrengeren Brü—
der murrten, und Notker, das Pfefferkorn, ſprach: „Sie
iſt die Witib jenes Landverwüſters und Kloſterſchädigers,
der den koſtbaren Kelch bei uns als Kriegsſteuer erhob?
und höhnend dazu ſagte: „Gott ißt nicht und trinkt nicht,
was nützen ihm die güldenen Gefäße?“ Laßt ihr das Tor

L geſchloſſen 1“

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Das war jedoch dem Abt nicht recht. Er ſuchte einen
Ausweg. Die Beratung ward ſtürmiſch, ſie ſprachen hin
und her. Der Bruder Wolo, da er hörte, daß von einer
Frau die Rede, ſchlich leis von dannen und ſchloß ſich in
ſeine Zelle.


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