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54 Ekkehard.
Forum auf und nieder und durch die Hallen des Koloſ⸗
ſeum und unter Konſtantins Triumphbogen durch bis zum
vierſtirnigen Fanus an der LTiber unten und ſuchte ſeine
Schweſter und fand ſie nicht; am Morgen des vierten Tags
kam ſie zum Salariſchen Tor herein und trug ihr Haupt
hoch und ihre Augen leuchtend und ſprach, es ſei alles
nichts auf der Welt, ſolang' nicht dem heiligen Martinus
die Ehre erwieſen werde, die ſeinem Verdienſt gebühre.
Wie ſie aber zurückkehrte in die Heimat, verſchrieb ſie
ihr Hab und Gut der Biſchofskirche zu Konſtanz mit dem
Bedingnis, daß die geiſtlichen Herren jeweils am eilften
jedes Herbſtmonates dem heiligen Martin ein beſonder
Feſt halten ſollten; ſie ſelber trat in ein eng Häuslein, wo
die Klausnerin Zilia ſich ſeßhaft gemacht, und führte ein
klöſterlich Leben. Und wie es ihr dort nimmer zuträglich
war, verzog ſie ſich ins TCal des heiligen Gallus; der Biſchof
ſelbſt gab ihr das Geleit und tat ihr den ſchwarzen Schleier
um und führte ſie an der Hand in die Zelle am Frenhügel
und ſprach den Segen darüber; mit der Mauerkelle tat er
den erſten Schlag auf die Steine, mit denen der Eingang
vermauert ward, und drückte viermal ſein Sigill auf das
Blei, damit ſie die Fugen löteten, und ſchied ſie von der
Welt, und die Mönche ſangen dazu, als würd' einer be—
graben, dumpf und traurig.
Die Leute ringsum aber hielten die Klausnerin hoch i in
Ehren; ſie ſei eine hartgeſchmiedete Meiſterin“, ſagten
ſie, und an manchem Sonntag ſtund Haupt an Haupt auf
dem Wieſenplan, und Wiborad ſtund an ihrem Fenſterlein
und predigte ihnen, und andere Frauen ſiedelten ſich in die
Nähe und ſuchten bei ihr Anleitung zur Tugend. .
„Wir ſind an Ort und Stelle“, ſprach Romeias. Da
blickte Praxedis mit ihren Begleiterinnen um. Kein menſch⸗
lich Weſen war zu erſchauen; verſpätete Schmetterlinge
und Käfer ſummten im Sonnenſchein, und die Grille zirpte
flügelwetzend im Gras. An Wiborads Zelle war der Fenſter⸗
laden angelehnt, ſo daß nur ein ſchmaler Streif Sonnenlicht
hineinfallen konnte. Dumpfes, langſam und halb durch die
Naſe geſungenes Pſalmodieren tönte durch die Einſamkeit.
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