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66 Ekkehard.

die Wand und malte mit Kohle ein Herz dazu, das hatte
zwei Augen und einen langen Strich als Naſe und einen
Querſtrich als Mund.
Der Kloſterſchüler Burkard kam herauf, mit ihm zu
ſpielen. Den faßte er mit gewaltiger Hand, reichte ihm
die Kohle, ſtellte ihn vor die Band und ſprach: „Schreib
den Namen drunter!“
„Was für einen Namen?“ frug der Knabe.
„Ihren!“ ſprach Romeias.
„Was weiß ich von ihr und ihrem Namen“, ſagte der
Kloſterſchüler verdrießlich.
„Da ſieht man's wieder“, brummte Romeias, „wozu
das Studieren gut iſt! Sitzt der Bub' jeden Tag acht
Stunden hinter ſeinen Eſelshäuten und weiß nicht ein—
mal, wie ein fremdes Frauenzimmer heißt!...“

VBiertes Kapitel.
Im Kloſter.

Frau Hadwig hatte inzwiſchen am Grab des heiligen
Gallus ihre Andacht verrichtet. Dann gedachte der Abt,
ihr einen Gang im ſchattigen Kloſtergarten vorzuſchlagen;
aber ſie bat, ihr zuvörderſt den Kirchenſchatz zu zeigen.
Der Frauen Gemüt, wie hoch es auch genaturt ſein mag,
erfreut ſich allzeit an Schmuck, Zierat und prächtiger Ge—
wandung. Da wollte der Abt mit einiger Ausrede ihren
Sinn ablenken, vermeinend, ſie ſeien nur ein arm Klöſter-
lein und ſeine Baſe werde auf ihren Fahrten im Reich

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und am Kaiſerhof ſchon Preiswürdigeres erſchaut haben:

es half ihm nicht.
Sie traten in die Sakriſtei.
Er ließ die gebräunten Schränke öffnen, da war
viel zu bewundern an purpurnen Meßgewändern, an

Prieſterkleidern mit Stickerei und gewirkten Darſtellun-

gen aus heiliger Geſchichte. War auch manches darauf ab-
gebildet, was noch nahe an römiſches Heidentum an—


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