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4. 8m Kloſter. 75
Wer zu dieſer Friſt einen Rundgang durch des Kloſters
Zellen gemacht, der hätte ſich überzeugen mögen, wie kein
einziger Bewohner des Stiftes unberührt vom Eindruck des
vornehmen Beſuchs geblieben. Auch die weltabgeſchieden-
ſten Gemüter fühlen, daß einer Frau Huldigung gebührt.
Dem grauen Tutilo war's beim Empfang ſchwer aufs
Herz gefallen, daß der linke Armel ſeiner Kutte mit einem
Loch geſchmückt war; ſonſt wär's wohl bis zum nächſten
hohen Feſttag ungeflickt geblieben, aber itzt galt kein Ver⸗
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auf ſeiner Zelle auf und nieder, vermeinend, es werde ſich
zug; mit Nadel und Zwirn gewaffnet ſaß er auf dem
Schragen und beſſerte den Schaden.
Und weil er gerade im Zug war, legte er auch ſeinen
Sandalen eine neue Sohle an und feſtigte ſie mit Nägeln.
Er ſummte eine Melodei, daß die Arbeit beſſer gedieh.
Radolt, das Denkmännlein, ging mit gerunzelter Stirn
eine Gelegenheit ergeben, in frei erſonnener Rede des
hohen Gaſtes Ruhm zu preiſen. Den Eindruck unmittel—
baren Erguſſes zu erhöhen, ſtudierte er ſie vorher. Er
wollte des Tacitus Spruch von den Germanen“ zugrund'
legen: „Sie glauben auch, daß den Frauen etwas Heiliges
und Zukunftvorausſehendes inwohne, darum verſchmähen
ſie niemals ihren Rat und fügen ſich ihren Beſcheiden.“
Es war dies faſt das einzige, was er aus Hörenſagen von
den Frauen wußte, aber er zwinkte mit den Eichhörn—
leinsaugen und war ſicher, von dort unter etlichen biſſigen
Ausfällen auf ſeine Mitbrüder einen UÜbergang zum Lob
der Herzogin zu finden. Leider blieb die Gelegenheit zur
Anbringung einer Rede aus, weil er ſie nicht zu finden
verſtand.
In anderer Zelle ſaßen der Brüder ſechs unter dem
rieſigen Elfenbeinkamm“, der an eiſerner Kette von der
Decke herabhing, — Abt Hartmuths nützliche Stiftung —
die vorgeſchriebenen Gebete murmelnd, erwies einer dem
* andern den Dienſt ſorglicher Glättung des Haupthaares.
Ward auch manch überwachſene Tonſur in jener Zeit zu
ſtrahlendem Glanze erneut.
In der Küche aber ward unter Gerold, des Schaffners,
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