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4. Im Kloſter. 79

doch heutigentages keinem einzigen mehr mit Überzeugung
eingeredet werden. Darum, und ſchwächlicheren Gemütes
Hinfälligkeit erwägend, ordnen wir dem einzelnen eine
halbe Maß für den Tag zu. Keiner aber ſoll trinken bis
zur Sättigkeit, denn der Wein macht auch den Weiſeſten
abtrünnig vom Pfade der Weisheit 7⁴“
„Gut!“ ſprach Spazzo und trank ſeinen Becher aus.
„Wißt Ihr aber auch“, frug Sindolt, „was den Brü⸗

dern zu tun vorgeſchrieben ſteht, in deren Gegend wenig

oder gar kein Rebenſaft gedeihen mag? Die ſollen Gott
loben und preiſen und nicht murren.“ L
„Auch gut!“ ſprach Spazzo und trank wiederholt ſeinen
Becher aus.
Der Abt ſuchte inzwiſchen ſeine fürnehme Baſe nach
Kräften zu unterhalten. Er fing an, Herrn Burkhards treff-
lichen Eigenſchaften einen Nachruf zu halten. Aber Frau
Hadwigs Antworten waren karg und einſilbig. Da merkte
der Abt, daß alles ſeine Zeit habe, namentlich die Liebe
einer Witib zum verſtorbenen Ehemann. Er wandte das Ge⸗
ſpräch und fragte, wie ihr des Kloſters Schulen gefallen.
„Mich dauert das junge Bölklein“, ſprach die Herzo—
gin, „daß es in jungen Tagen ſo vieles erlernen muß. Iſt
das nicht wie eine Laſt, die Ihr ihnen aufbürdet, an der
ſie zeitlebens keuchend ſchleppen müſſen?“
„Erlaubet, edle Baſe“, erwiderte der Abt, „daß ich Euch

als Freund und Blutsverwandter gemahne, weniger in den

Tag hinein zu reden. Das Studium der Wiſſenſchaft iſt
dem jungen Menſchen kein läſtiger Zwang, es iſt wie Erd⸗-
beeren; je mehr er genießt, deſto größer der Hunger.“
„Was hat aber die heidniſche Kunſt Logica mit der
Gottesgelahrtheit zu ſchaffen?“ frug Frau Hadwig.
„Die wird in rechten Händen zur Waffe, die Kirche
Gottes zu ſchützen“, ſprach der Abt. „Mit ihren Künſten
haben der Ketzer viele die Gläubigen angefochten, jetzt fech⸗
ten wir mit gleichem Rüſtzeug wider ſie, und glaubet mir,
ein ſauber Griechiſch oder Latein iſt eine feinere Waffe

als unſere einheimiſche Sprache, die ſich auch in des Ge—

wandteſten Hand nur wie eine Keule ſchwingt.“


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