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5. Ektehards Auszug. 85

teſten verdeckte der Kapuze vorſtehender Rand das Ant—
litz, daß es ausſah, als werde der Wein in leeren Gewan—
des Abgrund geſchüttet, und die Muſik klang ihr gellend
in die Ohren, als würde hier ein Mummenſchanz gefeiert,
der ſchon allzulang' gedauert...
Da ſprach ſie: „Es iſt Zeit ſchlafen zu gehen!“ und
ging mit ihrem Gefolg nach dem Schulhaus hinüber, wo
ihr Nachtlager ſein ſollte.
„Wißt Ihr auch, was des Tanzens Lohn geweſen
wär'’?“ frug Sindolt einen der Mönche, der ob dieſer
Wendung der Dinge höchlich betrübt ſchien. Der ſchaute
ihn ſtarr an. Da machte ihm Sindolt eine unverkenn—
bare Gebärde, die hieß: „Geißelung“!

Fünftes Kapitel.
Ekkehards Auszug.

Frühmorgens darauf ſaß die Herzogin ſamt ihren
Leuten im Sattel, heimzureiten, und der Abt hatte keine
Einwendung erhoben, da ſie ſich jegliche Abſchiedsfeier—
lichkeit verbat. Darum lag das Kloſter in ſtiller Ruhe,
als drüben ſchon die Roſſe wieherten, nur Herr Cralo kam
pflichtſchuldig herüber. Er wußte, was die Sitte gebot.
Zwei Brüder begleiteten ihn.
Der eine trug einen ſchmucken Becher von Kriſtall, mit
ſilbergetriebenem Fuß und Auffſatz geſchmückt, und ſaß
manches gute Stücklein Onyx und Smaragd in der ſil⸗—
bernen Umfaſſung; der andere trug ein Krüglein mit
Wein. Und der Abt ſchöpfte ein weniges in den Becher,
wünſchte ſeiner erlauchten Baſe einen geſegneten Tag
und bat, mit ihm des Abſchieds Minne zu trinken und den
Becher zu freundlichem Angedenken zu behalten?.
Für den Fall, daß das Geſchenk nicht genügend befun⸗
den werden ſollte, hatte er noch ein ſeltſam Schauſtück
im Rückhalt, das war ſilbern zwar, doch unanſehnlicher
Geſtalt und täuſchend einem ſchlichten Brote gleichge—
formt, innen aber gefüllt mit güldenen Byzantinern


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