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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0090
5. Ekkehards Auszug. 89

dar friſch gehalten ... ſein Mut ſtärkte ſich, er küßte das
Büchlein, nahm den Virgil aus dem Schrein und wandte
ſich, zu gehen. „Wer dies Buch wegträgt, den ſollen
tauſend Peitſchenhiebe treffen und Lähmung und Ausſatz
dazu!“ ſtand auf dem erſten Blatte. Er ſchnitt's weg.
Noch einmal ſchaute er um, als wollten ihm von Brett
und Kaſten die Bücher einen Gruß zuwinken. Da hub ſich
ein Kniſtern an der Wand, der große Baurißss, den der
Architekt Gehrung einſt auf drei Schuh langer Tierhaut zu
10 des Abt Hartmuth neuem Kloſterbau angefertigt hatte,
löſte ſich von dem feſthaltenden Nagel und ſtürzte nieder,
daß eine Staubwolke daraus emporſtieg.
Ekkehard machte ſich keine Gedanken drüber.
Wie er den Gang des obern Stockwerks entlang ſchritt,
1s kam er an einem offenen Gemach vorüber. Das war der
Winkel der Alten. Der blinde Thieto“ ſaß drin, einſt des
Kloſters Abt, bis ſchwindendes Augenlicht ihn abzudanken
nötigte. Ein Fenſter war geöffnet, daß der Greis ſich der
ſonnenwarmen Luft erfreue. Bei ihm hatte Ekkehard
20 manche Stunde in traulichem Geſpräch verbracht. Der
Blinde kannte ihn am Schritt und rief ihn zu ſich. „Wohin?“
frug er.
S„Hinunter, — und morgen fort ins Weite. Gebt mir
Eure Hand, ich komme auf den hohen Twiel.“
25 „Schlimm“, ſprach der Blinde, „ſehr ſchlimm!“
„Warum, Vater Thieto?“
„Frauendienſt iſt ein ſchlimm Ding für den, der gerecht
bleiben will, Hofdienſt noch ſchlimmer — was iſt Frauen-
und Hofdienſt zugleich?“
30 „Es iſt mein Schickſal“, ſprach Ekkehard.
SSankt Gallus behüte und ſchirme Euch“, ſagte Thieto.
„Ich will für Euch beten. Gebt mir meinen Stab.“
Ekkehard wollte ihm ſeinen Arm bieten, den lehnte er
ahjb; er erhob ſich und ſchritt zu einer Niſche in der Wand,
35 dort ſtund ein ſchmucklos Fläſchlein. Erx nahm's herab und
gab's ihm:
„'s iſt Waſſer aus dem Fordan, das ich ſelber einſt
geſchöpft. Wenn Euch der Staub der Welt überflogen hat

O


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