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96 Ettehard.
der Wand; Ekkehard war friſch ausgeſchritten und die See⸗
luft hatte ihm zehrend ums Haupt geweht, da kam ein Zug
des Schlummers mächtig über ihn, er lehnte den Wander-
ſtab an den Arm, ſtreckte ſich ein weniges und nickte ein.
Derweil zog ſich's mit langſamem Schritt in die
kühle Stube, das war der ehrenwerte Bruder Rudi—
mann, des Kloſters Kellermeiſter. Er trug ein ſteinern
Krüglein in der Rechten und ging ſeines Amtes nach,
Moſtprobe zu halten. Das Lächeln eines mit der Welt
und ſich verſöhnten Mannes lag auf ſeinen Lippen und
ſein Bauch war fröhlich gediehen, wie das Hausweſen
des Fleißigen, einen weißen Schurz hatte er darüber
geſchlungen, gewichtiger Schlüſſelbund klapperte an
ſeiner linken Seite.
„Zum Kellermeiſter ſoll erwählt werden ein weiſer
Mann von reifen Sitten, nüchtern und nicht vieler
Speiſe gierig, kein Zänker und kein Schelter, kein Trä—
ger und kein Vergeuder, ſondern ein Gottesfürchtiger, der
der geſamten Bruderſchaft ſei als wie ein Vater?“ —
und ſoweit es des Fleiſches Schwäche hienieden möglich
macht, war Rudimann bemüht, ſotane Kellermeiſters—
eigenſchaften in ſich zu vereinen. Dabei aber trug er das
herbe Arnt eines Strafvollziehers, und wenn einer der
Brüder der Geißelung ſich ſchuldig gemacht, band er ihn
an die Säule und konnte ſich keiner über die Milde ſei—
nes Armes beklagen. Daß er außerdem mit boshafter
Zunge dann und wann boshaftige Gedanken ausſprach
und den Abt mit Verdächtigung der Mitbrüder zu unter-
halten wußte, wie das Eichhörnlein Ratatöskr der Eddass,
das auf- und abrennt an der Eſche Yggdraſil und des
Adlers zürnende Worte im Wipfel herniederträgt zu Nid—
höggr, dem Drachen in der Tiefe: das war nicht ſeines
Amtes, das tat er aus freien Stücken.
Heute aber ſchaute er gar vergnüglich drein, des trug
die Güte der Weinleſe ſchuld. Und er tauchte ſein Krüg—
lein in ein offenes Faß, hielt's gegen das Fenſter und
ſchlürfte bedächtig den unklaren Stoff. Des ſchlafenden
Gaſtes nahm er nicht wahr.
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