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5. Ekkehards Auszug. 99

kehrte. Das Geräuſch des Streits unterbrach eine gelehrte
Auseinanderſetzung des Griechen über die Belagerung der
Stadt Hai durch Zoſua und die ſtrategiſchen Fehler des
Königs von Hai, da er mit ſeinem Heer auszog wider die
Wüſte. Der alte Griechenfeldherr, der die Heimat ver—
laſſen, um im byzantiniſchen Ruheſtand nicht an Mattig⸗
keit der Seele zu erſterben, lag in ſeinen Mußeſtunden
im deutſchen Kloſter eifrig dem Studium der Taktik ob;
ſie hießen ihn ſcherzweiſe den Hauptmann von Kaper—
naum, wiewohl er das Ordenskleid genommen.
„Gebt dem Streite Raum“, ſprach Simon Bardo,
der mit Bedauern den Zweikampf unterbrochen ſah, zum
Abte: „ich hab' heut im Traume ein Sprühen von Feuer⸗
funken erſchaut, das deutet Schläge...“
Der Abt aber, in deſſen Augen die Eigenmacht jünge-
rer ein Greuel war, gebot Ruhe und ließ den Streitfall zur
Schlichtung vortragen.
Da hob Rudimann an zu erzählen, was geſchehen,

und verſchwieg nichts.

„Leichtes Vergehen“, murmelte der Abt; „Hauptſtück
ſechsundvierzig: von dem, was bei der Arbeit, beim Gärt-
nen oder Fiſchfang, in Küche oder Keller geſündigt wird
— alemanniſches Geſetz: von dem, was mit Mägden ge⸗

ſchieht..der Gegner ſpreche!“

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Da trug auch Ekkehard vor, wie er die Sache ange—
ſchaut und in gerechtem Zorn dreingefahren.
„Verwickelt!“ murmelte der Abt, „Hauptſtück ſieben-
zig: kein Bruder nehme ſich heraus, den Mitbruder ſonder
Ermächtigung des Abts zu ſchlagen, Hauptſtück zwei⸗
undſiebenzig: von demjenigen Eifer, der einem Mönch

wohl anſteht und zum ewigen Leben führt.. Wieviel

Jahre zählt Ihr?“
„Dreiundzwanzig!“
Da ſprach der Abt ernſthaft: „Der Streit iſt aus.
Ihr, Bruder Kellermeiſter, habt Eure Streiche als wohl⸗
verdient Entgelt Eurer Zerſtreutheit aufzunehmen; —
Euch, Fremdling des heiligen Gallus, vermöchte ich füg—
lich anzuweiſen, Eures Weges weiter zu ziehen, denn
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