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100 Ertehard.

es ſtehet geſchrieben: Wenn ein fremder Mönch aus
anderweiten Provinzen ankommt, ſoll er zufrieden ſein
mit dem, was er im Kloſter vorfindet, ſich nur einen
demütigen Tadel erlauben und ſich in keiner Weiſe über-
flüſſig machen. In Erwägung Eurer Jugend und unta⸗—
deligen Beweggrundes aber mögt Ihr zur Sühnung am
Hauptaltar unſerer Kirche eine einſtündige Abendandacht
verrichten: dann ſeid als Gaſtfreund willkommen!“
Dem Abte erging es mit ſeinem Schiedsſpruch wie
manchem gerechten Richter. Keiner der Beteiligten war
zufrieden; ſie gehorchten, aber unverſöhnt. Wie Ekkehard
in der Kirche ſein Sühngebet tat, mochten ihm allerlei
Gedanken durch die Sinne ziehen vom guten Herzen, vom
rechtzeitigen Eifer und von andrer Leute Urteil drüber.
Es war eine der erſten Lehren, die er im Zuſammenſtoß
mit Menſchen erlitt. Durch eine Seitenpforte ging er
ins Kloſter zurück.
Was Kerhildis, die Obermagd, an jenem Abend den
dienſtbaren Frauen im Nähſaal zu Oberzell erzählte, allwo
ſie beim flackernden Scheine des Kienſpans ein Dutzend
neue Mönchsgewänder zu fertigen hatten, war mit ſo be⸗

leidigend en Ausfällen gegen die Jünger des heiligen Gal⸗

lus untermiſcht, daß es beſſer verſchwiegen bleibt...

Sechſtes Kapitel.
Moengal.

Um dieſelbe Zeit, da Ekkehard in der Kloſterkirche der
Inſel eine unfreiwillige Andacht abhielt, war Frau Had—
wig auf dem Söller von Hohentwiel geſtanden und hatte
lange hinausgeſchaut — aber nicht nach der untergehen-
den Sonne. Die ging ihr im Rücken, hinter den dunkeln
Bergen des Schwarzwaldes zur Ruhe. Frau Hadwig aber
ſchaute erwartungsvoll nach dem Unterſee und nach dem
Pfad, der von ſeinem Ausgang ſich dem Hohentwieler
Fels entgegen zog. Die Ausſicht ſchien ihr nicht zu genügen;

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wie's dunkel ward, ging ſie unwillig “ zurück, ließ ihren 35

Kämmerer rufen und verhandelte lang' mit ihm...


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