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6. Moengal. 101

Am frühen Morgen des andern Tages ſtund Ekkehard
gerüſtet zu weiterer Fahrt an der Schwelle des Kloſters.
Der Abt war auch ſchon wach und machte einen Frühgang
im Gärtlein. Der Richterernſt des geſtrigen Tages lag
nicht mehr auf ſeiner Stirne. Ekkehard ſagte ihm Balet.
Da raunte ihm der Abt lächelnd ins Ohr: „Seliger, der
du eine ſolche Schülerin die Grammatik lehren darfſt!“
Das ſchnitt in Ekkehards Herz. Eine alte Geſchichte ſtieg
in ſeiner Erinnerung auf, — auch in den Kloſtermauern
gab's böſe Zungen und überlieferte Stücklein, die vom
einen zum andern die Runde machten.
„Ihr gedenket wohl der Zeit, heiliger Herr“, ſprach
er höhniſch, „da Ihr die Nonne Clotildis in der Dialektik
unterrichtet¹“?“
Damit ging er hinab zu ſeinem Schiffe. Der Abt hätte
lieber ein Büchslein mit Pfeffer zum Frühmahl eingenom⸗
men als dieſe Erinnerung. „Glückliche Reiſe!“ rief er
dem Scheidenden nach.
Von dieſer Zeit hatte Ekkehard es mit den Reichenauer
Kloſterleuten verdorben. Er ließ ſich's nicht kümmern und
fuhr mit ſeinem Ermatinger Fergen den Unterſee hinab.
Träumeriſch ſchaute er aus ſeinem Schifflein hinaus
ins Weite. Im durchſichtigen Duft des Morgens wogte
der See, zur Linken hoben ſich die ſchlanken Türmchen
von Eginos Klauſe Niederzell, — dort ſtreckt das Eiland
ſeine letzten Spitzen ins Gewäſſer hinaus, eine ſteinerne
Pfalz ſchaute aus den Weidenbüſchen vor — aber Ekke—
hards Blick haftete auf der Ferne, der er zuſteuerte; groß,
ſtolz, in ſteiler kecker Linie trat ein felſiger Bergrücken aus
dem Gehügel des Ufers vor, gleich dem Gedanken eines
Geiſtesgewaltigen, der wuchtig und tatenſchwer flache
Umgebung überragt, die Frühſonne warf helle Streiflichter
auf Felskanten und Gemäuer. Fern zur Rechten hoben
ſich etliche niedere Kuppen von gleicher Form, beſcheiden,
als wären ſie Feldwachen, die der Große ausgeſendet.
v„ Der Hohentwiel!“ ſprach der Fährmann zu Ekkehard.
Der hatte das Ziel ſeiner Fahrt in früheren Tagen noch
niemals erſchaut, aber es brauchte des Schiffers Wort nicht.


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