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6. Moengal. 109
„Nein.“
„Sonderbar“, ſprach der Alte, „es kommen drei Ge—⸗
waffnete geritten.“
v„Es werden Boten der Herzogin ſein, mich zu empfan⸗
5 gen“, ſprach Ekkehard mit ſtolzem Lächeln.
„Hoiho!“ brummte Moengal, „fehlgeſchoſſen! Das iſt
nicht herzoglicher Dienſtmannen Kleid, der Helm iſt ſonder
Abzeichen. Und im grauen Mantel reitet kein Twieler!“
Er hemmte ſeinen Schritt.
10 „Vorwärts!“ ſprach Ekkehard. „Wes Herz ohne
Schuld, den geleiten die Engel des Herrn.“
„Im Hegau nicht immer!“ war des Alten Antwort.
Es war keine Gelegenheit zu weiterem Zwiegeſpräch, Huf⸗
ſchlag tönte, der Boden klirrte, drei Reitersmänner kamen
1s geſprengt, den Helm geſchloſſen, das Schwert gezogen...
„Folgt mir“, rief der Leutprieſter, maturate fugam*!“
Er warf ſeine Leimruten zu Boden und wollte Ekkehard
mit zur Seite ziehen. Der aber wandte ſich nicht. Da
ſprang Moengal allein ins Buſchwerk hinüber, die Dornen
20 zogen ihm zu den alten Riſſen ins morſche Gewand etliche
neue, er wand ſich los, mit den Sprüngen eines Eichhorns
ſetzte er ins Dickicht. Er kannte die Schliche.
„Er iſt's!“ rief der vorderſte der Reiter, da ſprangen
die andern von den Roſſen, ſtolz ſah ihnen Ekkehard ent-
25 gegen: „Was wollt Ihr?“ — keine Antwort; er griff
zum Kruzifix, das ihm im Gürtel hing. „Im Namen
des Gekreuzigten!..“ wollte er anheben, aber ſchon
war er zu Boden geworfen, unſanfte Fäuſte hielten ihn,
ein Strick ward um ſeine Hände geſchlungen, bald lagen
30 ſie geknebelt auf dem Rücken — eine weiße Binde um—
ſchloß ſeine Augen knapp und feſt, daß es dunkel um ihn
ward — „Vorwärts!“ die Überraſchung des Augenblicke
beugte ihm die Kniee, unſicher ſchritt er, da hoben ſie ihn
und trugen ihn ein Stück weit. Am Beginn des Waldes
35 ſtunden vier Männer mit einer Sänfte, in die warfen ſie
den Betroffenen und weiter ging's durch die Ebene, am
* Fliehet eiligſtt
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