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120 L Ettehard.

verderben wolle — Gewitter, Sturm, Schiffbruch, Zer-

ſchellen der Kiele, ringsum ſchwimmen umher ſparſam in
unendlicher Meeresflut Waffen des Kriegs und Gebälk
und troiſcher Prunk durch die Brandung. Und der Wogen
Gemurr dringt zu Neptunus hinunter, tief in Grund, er
kommt emporgeſtiegen und ſchaut die Verwirrung, des
Aolus Winde jagt er mit Schimpf und Schande nach Hauſe,
wie der Aufruhr beim Wort des verdienten Mannes legt
ſich das Toben der Wäſſer, an Libyens Küſte landet der
Schiffe Reſt...
Soweit hatte Ekkehard geleſen und erklärt. Seine
Stimme war voll und tönend und klang ein wohltuend
Gefühl inneren Verſtändniſſes durch. Es war ſpät gewor⸗
den, die Lampe flackerte, da hob Frau Hadwig den Vor⸗
trag auf.
„Wie gefällt meiner Herrin des heidniſchen Poeten
Erzählung?“ frug Ekkehard.
„Ich will's Euch morgen ſagen“, ſprach ſie. Sie hätte
es auch ſchon heute ſagen können, denn feſt und beſtimmt
ſtand der Eindruck des Geleſenen ihrem Gemüte einge—
prägt, ſie tat's aber nicht, um ihn nicht zu kränken.

„Laſſet Euch was Gutes träumen“, rief ſie dem Weg-

gehenden nach.
Ekkehard aber ging noch hinauf in des Vincentius
Turmſtube. Die war ſauber hergerichtet, die letzte Spur
vom Niſten der Tauben getilgt; er wollte ſich ſammeln
zu ſtiller Betrachtung, wie ehemals im Kloſter, aber ſein
Haupt war heiß, vor ſeiner Seele ſtand die hohe Geſtalt
der Herzogin, und wenn er ſie recht ins Auge faßte, ſo
ſchaute auch Praxedis' ſchwarzäugig Köpflein über ihrer
Herrin Schulter zu ihm herüber — „was aus all dem noch
werden ſoll?“ Er trat ans Fenſter, eine kühle Herbſtluft
wehte ihm entgegen, ein dunkler eherner unendlicher
Himmel ſpannte ſich über das ſchweigende Land, die
Sterne funkelten, nah, fern, licht, matt; ſo groß hatte er
das Himmelsgewölbe noch niemals erſchaut — auf Berges⸗
gipfeln ändert ſich das Maß der Dinge — lang' ſtand er

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ſo, da ward's ihm unheimlich, als wollten ihn die Geſtirne


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