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126 Ekkehard.
rotwangig, blauäugig, und ließ das Haar in zwei Zöpfe
geflochten vom Haupt herunterfallen. Zhre Gänſe hielt ſie
in Zucht und guter Ordnung, ſie reckten manchem den lan-
gen Hals entgegen und ſchnatterten wie törichte Weiber,
aber der Hirtin trotzte keine; wenn fie ihren Stab ſchwang,
gingen ſie züchtig und ſittſam einher und enthielten ſich jeg⸗
lichen Lärmens. Oft weideten ſie vermiſcht zwiſchen den
Ziegen des Audifax, denn Hadumoth hatte den kurzgeſcho⸗
renen Ziegenhirten nicht ungern und ſaß oft bei ihm und
ſchaute mit ihm in die blaue Luft hinaus — und die Tiere
merkten, wie ihre Hüter zuſammenſtanden, da hielten auch
ſie Freundſchaft miteinand. Jetzt trieb Hadumoth ihre
Gänſe auf die Berghalde herunter, und da ſie der Ziegen
Glöcklein drüben läuten hörte, ſah ſie ſich nach dem Hirten
um. Und ſie erſchaute ihn, wie er weinte, und ging hinüber,
ſetzte ſich zu ihm und ſprach: „Audifax, warum weinſt du?“
Der gab keine Antwort. Da legte Hadumoth ihren Arm
um ſeine Schulter, wendete ſein lockenloſes Haupt zu ſich
herüber und ſprach betrübt: „Audifax, wenn du weinſt, ſo
will ich mit dir weinen.“
Audifax aber ſuchte ſeine Tränen zu trocknen: „Du
brauchſt nicht zu weinen“, ſagte er, „ich muß. Es iſt
etwas in mir, daß ich weinen muß. “
„Was iſt in dir, daß du weinen mußt?“ frug ſie. Da
nahm er einen der Steine, wie ſie von den Twieler Fels-
wänden abgelöſt dalagen, und warf ihn auf die anderen
Steine. Der Stein war dünn und gab einen Klang.
„Haſt du's gehört?“
„ ſch hab's gehört“, ſagte Hadumoth, „es klingt wie
immer.“
„Haſt du den Klang auch verſtanden?“
„Nein.“
„Ich aber verſteh' ihn, und darum muß ich weinen“,
ſprach Audifax. „Es iſt ſchon viele Wochen her, da bin ich
drüben geſeſſen auf dem Felſen im Tale, da iſt's zuerſt in
mich gezogen, ich kann nicht ſagen wie, aber es muß aus
der Tiefe gekommen ſein, jetzt iſt mir's oft, als wär' Aug'
und Ohr anders geworden, und in den Händen flimmert's
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