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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0137
136 Ekkehard.

ſie wünſchen und erwarten. Darum zog er ſeinen Schweif
ein und ſchlug ſich ſeitwärts.
Sie waren eine Stunde weit gegangen, da ſtunden
ſie vor dem Fels Hohenkrähen. Zwiſchen Bäumen ver—
ſteckt ſtund ein ſteinern Häuslein; ſie hielten. „Der Hund
wird Laut geben!“ ſprach Hadumoth. Aber kein Hund
rührte ſich. Sie traten näher, die Tür ſtand offen.
„Die Waldfrau iſt fort!“ ſprachen ſie. Aber auf dem

Fels Hohenkrähen brannte ein verglimmend Feuerlein.

Dunkle Geſtalten regten ſich. Da ſchlichen die Kinder den
Felspfad hinauf.
Schon ſtand ein heller Luftſtreif hinter den Bergen
am Bodenſee. Es ging ſteil in die Höhe. Oben, wo das
Feuer glimmte, war ein Felſenvorſprung. Eine breit—
gipflige Eiche breitete ihre dunklen Aſte aus. Da duckten
ſich Audifax und Hadumoth hinter einen Stein und ſchau—
ten hinüber. Es war ein Tier geſchlachtet worden, ein
Haupt, wie das eines Pferdes, war an den Eichſtamm
genagelt, Spieße ſtanden über dem Feuer, Knochen lagen
umher. In einem Gefäß war Blut.
AUuw einen zugehauenen Felsblock ſaßen viele Männer,
ein Keſſel mit Bier ſtand auf dem Stein',, ſie ſchöpften
daraus mit ſteinernen Krügen.
An der Eiche kauerte ein Weib. Sie war nicht ſo lieb—
reizend wie jene alemanniſche Jungfrau Biſſula, die dem
römiſchen Staatsmann Auſonius einſt trotz ſeiner ſechzig
Jahre das Herz berückte, daß er idyllendichtend auf ſeiner
Präfekturkanzlei einherſchritt und ſang: „Sie iſt von
Augen himmelblau, und golden das rötliche Haar, ein
Barbarenkind, hoch über allen Puppen Latiums, der
ſie malen will, muß Rofen und Lilien miſchenn.“ Das
Weib auf dem Hohenkrähen war alt und ſtruppig.
Die Männer ſchauten nach ihr. Zuſehends hellte ſich
der Himmel im Oſten. In die Nebel über dem See kam
Bewegung. Jetzt warf die Sonne ihre erſten Strahlen

vergüldend über die Berge, bald ſtieg der feurige Ball

empor, da ſprang das Weib auf, die Männer erhoben
ſich ſchweigend; ſie ſchwang einen Strauß von Miſtel

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