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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0151
150 Etkehard.

platz des nächtlichen Gelages betrachtet. Wenig Spuren
waren übrig. Das Erdreich um den Eichbaum war rötlich
angefeuchtet. Reſte von Kohlen und Aſche deuteten auf
den Feuerplatz. In den Äſten der Eiche ſah er mit Befrem⸗
den da und dort kleine Wachsbilder von menſchlichen
Gliedmaßen verſteckt hangen, Füße und Hände, Abbilder
von Pferden und Kühen, — Gelöbniſſe für Heilung von
Krankheit an Menſchen und Tier, die der bäuerliche Aber-

glaube damals noch am altersgeweihten Baume lieber löſte

als in der Kirche des Tales.
Zwei Männer mit Haugeräte kamen heran. „Wir ſind
beſtellt“, ſprachen ſie. „Vom Hohentwiel?“ fragte Ekke-
hard. — „Wir arbeiten der Herrſchaft, unſer Sitz iſt drü—
ben am Hohenhöwen, wo der Rauch der Kohlenmeiler
aufſteigt.“ .
„Gut“, ſagte Ekkehard, „ihr ſollt mir die Eiche hier
fällen.“ Die Männer ſahen ihn verlegen an. „Vorwärts“,
rief er, „und ſputet euch! Bis die Nacht anbricht, muß ſie
urngehauen liegen.“
Da gingen die zwei mit ihren Beilen zu der Eiche hin.
Mit offenem Munde ſtanden ſie vor dem ſtolzen Baum.
Einer ließ ſein Beil zur Erde fallen.
„Kommt dir der Platz nicht bekannt vor, Chomuli?“
frug er ſeinen Nebenmann.
„Warum bekannt, Woveli?“
Der Holzhacker deutete nach Sonnenaufgang, ſetzte die
geballte Rechte an den Mund, hob ſie, als wenn er trinke
und ſprach: „Darum, Chomuli.“
Da ſah der andere nach Ekkehard hinunter und zwinkte
mit dem Aug': „Wir wiſſen von nichts, Woveli!“ — „Aber
er wird's wiſſen, Chomuli“, ſprach der erſte. „Abwarten,
Woveli“, ſagte der andere. L
„Es iſt Sünd' und ſchade“, fuhr ſein Gefährte fort,
„um den Eichbaum, ſchon an die zweihundert Zahre ſteht

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er und hat manch luſtig flackernd Mai- und Herbſtfeuer 26

erlebt. Ich bring's ſchier nicht übers Herz, Chomuli.“

„Sei kein Tor“, tröſtete der andere und tat den erſten

Hieb, „wir müſſen dran. Je ſchärfer wir dem Baum ins


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