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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0153
152 Ekkehard.

bem Stab ſollt du ausziehen gen Niedergang, denn ſie
werden dir nicht laſſen, wo du dein Haupt niederlegeſt.
O Mutter, meine Mutter!“
Sie raffte ihren Plunder in ein Bündel zuſammen,
griff den Stab und rüſtete ſich zu gehen. Den Diakon
von Singen kam eine Rührung an. „Rufet Gott durch
ſeine Diener um Verzeihung an“, ſprach er „und tut eine
chriſtliche Pönitenz, daß Ihr in Gnade geſund werdet.“
„Dafür iſt die Waldfrau zu alt'¹⁸⁰“, ſagte ſie und lockte
ihren Specht, der flog ihr um die Schulter, und der Rabe
hüpfte ängſtlich hinter ihr drein; ſchon war die Tür auf—-
geriſſen, noch einen Blick auf Wand und Herd und Kräu—
ter und Pferdoͤsſchädel — ſie ſtieß den Stab auf die
Schwelle, daß die Steinplatten erdröhnten: „Seid ver⸗
flucht, ihr Hunde!“ klang's vernehmlich den Zurückblei—
benden; ſie wandte ſich mit ihren Vögeln dem Walde zu
und verſchwand.
„Und wir ziehen ſtumm, ein geſchlagen Heer,
Erleſchen ſind unſere Sterne —
O Fsland, eiſiger Fels im Meer,
Steig' auf aus nächtiger Ferne!“
tönte leis murmelnder Geſang durch die entlaubten
Stämme herüber.
Ekkehard aber ließ ſich vom Diakon die Stola um—
hängen und das Meßbuch vortragen, er hielt einen
Umgang durch Stube und Kammer, die Wände weihte
er mit dem Zeichen des Kreuzes, auf daß das Getriebe
böſer Geiſter gebannt ſei für immer, dann ſprach er
unter Gebeten den großen Exorzismus über die Stätte.
Das fromme Werk hatte lang' gedauert. Dem Diakon
ſtand der Angſtſchweiß auf der Stirn, als er Ekkehard die
Stola wieder abnahm, er hatte ſo große Worte noch nie
gehört. Fetzt tönte Pferdegetrab durch den Wald.
Es war die Herzogin, von einem einzigen Diener
geleitet. Ekkehard ging ihr entgegen; der Diakon von
Singen trat ſeinen Heimweg an. „Ihr ſeid lange aus-
geblieben“, rief die Herzogin gnädig, „ich muß wohl ſel⸗
ber ſehen, was Ihr geſchlichtet und gerichtet.“

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