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10. Weihnachten. 185

Ekkehard wußte nicht, wie ihm geſchehen. Er fuhr
mit der Hand über die Augen, als lägen Schuppen davor.
Wie er in ſtiller Nacht auf ſeiner Hohentwieler Turm⸗—
ſtube ſaß und den Tag überdachte, flammte ein ferner
Feuerſchein herüber. Er ſchaute hinaus. Aus den Tan—
nen am hohen Krähen ſchlug die feurige Lohe. G
Die Waldfrau hatte der künftigen Kapelle zur hei—
ligen Hadwig ihren letzten Beſuch erſtattet.

Zehntes Kapitel.
Weihnachten.

Der Abend auf dem Hohenkrähen klang noch etliche
Tage in der Herzogin Gemüt fort. Mißtöne werden
ſchwer vergeben, zumal von dem, der ſie ſelber angeſchla⸗
gen. Darum ſaß Frau Hadwig einige Tage verſtimmt
in ihrem Saal. Grammatik und Virgilius ruhten. Sie
ſcherzte mit Praxedis über die Schulmeiſter in Konſtan—
tinopel angelegentlicher denn früher. Ekkehard fragte an,
ob er zur Fortſetzung des Unterrichts ſich einſtellen ſolle.
„Ich habe Zahnweh“, ſprach die Herzogin. „Die rauhe
Spätherbſtluft werde ſchuld daran ſein“, meinte er be⸗
dauernd.
Er fragte jeden Tag etliche Male nach ſeiner Gebie-

terin Befinden. Das rührte die Herzogin wieder. „Wo⸗

her kommt's“, ſprach ſie einmal zu Praxedis, „daß einer
mehr wert ſein kann, als er ſelber aus ſich zu machen
weiß?“
„Vom Mangel an Grazie“, ſagte die Griechin. „In
andern Ländern hab' ich das Umgekehrte wahrgenommen,
aber hier ſind die Menſchen zu träge, mit jedem Schritt,
mit jeder Handbewegung, mit jedem Wort auszuſ prechen:
‚das bin ich'. Sie denken's lieber und meinen, es müßte
dann die ganze Welt auf ihrer Stirn leſen, was dahinter
webt und ſtrebt.“
„Wir ſind doch ſonſt ſo fleißig“, ſprach Frau Hadwig

36 wohlgefällig.


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