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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0165
164 Ekkehard.

Frau Hadwig nahm Ekkehard bei der Hand und führte
ihn an ein LTiſchlein. „Das iſt für Euch“, ſprach ſie. Beim
mandelgeſpickten Lebkuchenherz und dem Korb lag ein
ſchmuckes prieſterliches Samtbarett und eine prächtige
Stola, Grund und Franſen waren von Goldfaden, dunkle
Punkte waren mit ſchwarzer Seide drein geſtickt, einige
mit Perlen ausgeziert, ſie war eines Biſchofs wert.
„Laßt ſehen, wie Ihr Euch ausnehmt“, ſprach Praxe-
dis. Trotz der kirchlichen Beſtimmung ſetzte ſie ihm das
Barett auf und warf ihm die Stola um. Ekkehard ſchlug
die Augen nieder. „Meiſterhaft!“ rief ſie, „Ihr dürft
Euch bedanken.“
Er aber legte ſcheu die geweihten Gaben wieder ab,
aus ſeinem weiten Gewand zog er die Pergamentrolle
und reichte ſie ſchüchtern der Herzogin dar. Frau Had—
wig hielt ſie unentfaltet. „Erſt den Korb öffnen! das
Beſte —“ ſprach ſie, freundlich auf das Pergament deu—
tend, „ſoll zuletzt kommen.“ L
Da ſchnitten ſie den Korb auf; in Heu begraben und
durch des Winters Kälte wohlerhalten, lag ein mächtiger
Auerhahn drin, Ekkehard hob ihn in die Höhe, mit aus-
gebreiteten Flügeln reichte er über eines Mannes Länge.

Ein Brieflein war bei dem ſtattlichen Stück Federwild.

„Vorleſen!“ ſprach die Herzogin neugierig.
Ekkehard öffnete das unkenntliche Sigill und las:
„Dem ehrwürdigen Bruder Ekkehard auf dem
hohen Twiel durch Burkard, den Kloſterſchüler,
Romeias, der Wächter am Tor.
„Wenn es zwei wären, ſo wäre einer für Euch. Da
es aber auf zwei nicht geglückt hat, ſo iſt der eine nicht

für Euch und Eurer kommt nach. Geſendet wird er an

Euch wegen Unwiſſenheit des Namens. Sie war aber
mit der Frau Herzogin damals im Kloſter und trug ein
Gewand von Farbe eines Grünſpechts, den Zopf um die
Stirn geflochten.
„Derſelben den Vogel. Wegen fortwährender Ge—
denkung deſſen, der ihn geſchoſſen, an ſtattgefundene Be—
gleitung zu den Klausnerinnen. Er muß aber ſtark ein—

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