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10. Weihnachten. 1665

gebeizt und mürb gebraten werden, weil ſonſt zähe; bei
Zuzug von Gäſten ſoll ſie das weiße Fleiſch am Rückgrat
ſelber verzehren, da dies das beſte, und das braune von
harzigem Geſchmack.
„Dazu Glück und Segen. Euch, ehrwürdiger Bruder,
auch. Wenn auf Eurer Burg ein Wächter, Turmwart
oder Forſtwart zu wenig, ſo empfehlet der Herzogin den
Romeias, dem wegen Verſpottung durch den Schaffner
und Verklagung durch den Drachen Wiborad Verände—

rung des Dienſtes wünſchenswert. Übung im Tordienſt,

Einlaß und Hinauswerfung fremden Beſuchs betreffend,
kann bezeugt werden. Ebenſo was Fagd angeht. Und
er ſchaut jetzt ſchon nach dem hohen Twiel, als zöge ihn
ein Seil dorthin. — Langes Leben Euch und der Frau
Herzogin. Lebet wohl.“
Fröhlich Lachen ſchloß die Vorleſung. Praxedis aber
war rot geworden. „Das iſt ein ſchlechter Dank von Euch“,
ſprach ſie biſſig zu Ekkehard, „daß Ihr Briefe in anderer
Leute Namen ſchreibt und mich beleidiget.“
„Haltet ein“, ſprach er, „warum ſoll der Brief nicht
echt ſein?“
„Es wär' nicht der erſte, den ein Mönch gefälſcht“,
war Praxedis' gereizte Antwort. „Was braucht Ihr Euch
über den groben Zägersmann luſtig zu machen? Er war
gar nicht ſo übel.“
„Praxedis, ſei vernünftig“, ſprach die Herzogin.
„Schau' dir den Auerhahn an, der iſt nicht im Hegau ge—
ſchoſſen, und Ekkehard führt eine andere Feder. Wollen
wir den Bittſteller auf unſer Schloß verſetzen?“
„Das verbitt' ich mir“, rief Praxedis eifrig. „Es ſoll
niemand meinen, daß..“
„Gut“, ſprach Frau Hadwig mit Schweigen gebieten-
dem Ton. Sie rollte Ekkehards Pergament auf. Die
Malerei am Anfang war leidlich gelungen, Zweifel über

deren Bedeutung beſeitigte die Darüberſchreibung der

Namen Hadwigis, Virgilius, Ekkehard. Eine kühne Ini—
tiale mit verſchlungenem goldenen Geäſte eröffnete die
Schrift.


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