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172 Eitehard.
und Speer an der Wand hängen haben. Sie ſind wieder
auf dem Weg zwiſchen Donau und Rhein...“
„Wer?“
„Die alten Freunde von drüben herüber; die kleinen
mit den tiefliegenden Augen und den ſtumpfen Naſen.
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Es wird wieder viel roh Fleiſch unter dem Sattel mürb
geritten werden dieſes Fahr.“
Er zog ein ſeltſam geformtes kleines Hufeiſen mit
hohem Abſatz aus dem Gewand: „Kennt Ihr das Wahr-
zeichen? ‚Kleiner Huf und kleines Roß, krummer Säbel,
ſpitz Geſchoß — blitzesſchnell und ſattelfeſt: ſchirm uns
Herr vor dieſer Peſt!““
„Die Hunnen “*?!“ fragte die Herzogin betroffen.
„So Ihr ſie lieber die Ungrer heißen wollt oder die
Hungrer, iſt mir's auch recht“, ſprach der Bote. „Der
Biſchof Pilgrim hat's von Paſſau nach Freiſing melden
laſſen, von dort kam uns die Mär'. Über die Donau
ſind ſie ſchon geſchwommen, wie die Heuſchrecken fallen
ſie aufs deutſche Land, geſchwinde wie geflügelte Teufel
ſind ſie auch, eher fängſt du den Wind auf der Ebene
und den Vogel in der Luft, heißt's bei uns von früher
her. Daß Koller und Dampf ihre kleinen Roſſe heim—
ſuchte!.. Mich dauert nur meiner Schweſter Kind, die
ſchöne Berta in Paſſau...“
„Es iſt nicht möglich!“ ſagte Frau Hadwig. „Haben
ſie ſchon vergeſſen, wie ihnen die Kammerboten Erchanger
und Berchtold den Beſcheid gaben: ‚Wir haben Eiſen und
Schwerter und fünf Finger in der Fauſt'? In der
Schlacht am Inn ward's ihnen deutlich auf die Köpfe
geſchrieben...“
„Eben darum“, ſpräch der Mann. „Wer tüchtig ge—
ſchlagen worden, kommt gern wieder, um das zweitemal
ſelber zu ſchlagen. Itzt ſind andere Zeiten. Den Kammer-
boten hat man zum Dank für ihre Tapferkeit ſpäter das
Haupt vor die Füße gelegt, wer wird ſich noch voran—
ſtellen?“
„Auch wir wiſſen den Weg, auf dem unſere Vorgänger
gegen den Feind geritten ſind“, ſprach die Herzogin ſtolz.
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