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180 Ekkehard.
Glas, die Hunnen kommen. neque enim! Nun ſoll
euch die Suppe ſchmecken, die eure Herren geſalzen haben.
Ein großes ſtolzes Reich iſt aufgerichtet geſtanden, vom
Ebro bis an die Raab und bis hinauf an die däniſche
Mark, keine Rattmaus hätt' einſchleichen dürfen, ohne daß
treue Wächter ſie gefangen, ſo hat's der große Kaiſer
Karl...“
„Den Gott ſegnen möge!“ fiel Rauching ein.
„.. gefeſtigt hingeſtellt; die Stämme, die dem Rö⸗
mer einſt zuſammen den Garaus gemacht, ein Ganzes,
wie ſich's gehört, damals hat der Hunn ſcheu hinter ſeinem
Landhag an der Donau gelauert, 's war kein Wetter für
ihn, und wie ſie ſich rühren wollten, iſt von ihrer hölzer—
nen Lagerſtatt tief in Pannonien drin kein Span mehr
übriggeblieben, ſo hat die fränkiſche Landwehr drein ge—
wettert da aber die Großen in der Heimat hat's ge—
drückt, daß nicht ein jeder der Herr der Welt ſein kann;
da hat's innerhalb des eigenen Zauns probiert ſein müſſen
— Aufruhr, Empörung und Reichsverrat, das ſchmeckt
beſſer, den letzten von Karls Stamme, der des Weltreichs
Zügel führte, haben ſie abgeſetzt — das Symbolum der
Reichseinheit iſt ein Bettelmann worden und muß un—
geſchmälzte Waſſerſuppen eſſen — nun, und eure Herren,
denen der Baſtard Arnulf und ihr eigener Übermut lieber
war, haben die Hunnen auf dem Nacken, und die alten
Zeiten kommen wieder, wie ſie ſchon der König Etzel
malen ließ. Kennt Ihr das Bild im Mailänder Palaſt?
vDort war der römiſche Kaiſer gemalt, wie er auf
ſeinem Thron ſaß und die ſkythiſchen Fürſten ihm zu
Füßen lagen; da kam der König Etzel des Wegs geritten
und ſah die Malerei lang' an und lachte und ſprach: ‚Ganz
recht; nur eine kleine Anderung! Und er ließ dem Mann
auf dem Thron ſein eigen Antlitz geben, und die vor ihm
knieten und die Säcke voll Zinsgold vor ſeinem Thron
ausleerten, waren die römiſchen Cäſarens
„Das Bild iſt heut noch zu ſchauen.
„Ihr denkt an alte Geſchichten“, ſprach Ekkehard.
„Alte Geſchichten!“ rief der Greis: „Für mich hat's
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