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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0183
182 Ekkehard.

werden, als ſäß' in den Bergen hinter Rom der große
Magnetſtein. Ich hab' oft drüber nachgedacht, was uns
in die falſche Bahn gewieſen; — wenn's nicht der Teufel
iſt, kann's nur der gute Wein ſeins.“
Ekkehard war betrübt geworden ob des Alten Reden.
Der ſchien es zu merken. „Laßt Euch nicht anfechten,
was ein Begrabener ſagt“, ſprach er zu ihm, „wir in der
Heid enhöhle machen's nicht anders, aber die Wahrheit hat
ſchon manchesmal in Höhlen gehauſt, wenn draußen der
Unſinn mit großen Schritten durchs Land ging.“
„Ein Begrabener?“ ſprach Ekkehard fragend.
„Deshalb könnt Ihr doch mit ihm anſtoßen“, ſprach
der Alte ſcherzend. „'s war nötig, daß ich vor der Welt
geſtorben bin, das Kopfweh und die Schurken haben mich
in Unehren gebracht. Braucht mich darum nicht ſo an—
zuſehen, Mönchlein. Setzt Euch her auf die Steinbank,
ich will Euch eine ſchöne Geſchichte erzählen — Ihr könnt
ein Lied zur Laute darüber machen
„Es war einmal ein Kaiſer, der hatte wenig frohe
Tage, denn ſein Reich war groß und er ſelber war dick
und ſtark und das Kopfweh plagte ihn, ſeit daß er auf
dem Thron ſaß. Darum nahm er ſich einen Erzkanzler,
der war ein feiner Kopf und konnte mehr denken als ſein
Herr, denn er war dünn und hager wie eine Stange und
hatte kein Kopfweh. Und der Kaiſer hatte ihn aus dunk—
ler Herkunft emporgehoben, denn er war eines Huf—
ſchmieds Sohn, und erwies ihm Gutes und tat alles,
was er ihm riet; und ſchloß ſogar einen elendigen Frieden
mit den Nordmännern: denn der Kanzler ſagte ihm, das
L ſei unbedeutend, er habe wichtigere Geſchäfte, als ſich um
ein paar Seeräuber zu kümmern. Der Kanzler ging

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nämlich in ſelber Zeit zu des Kaiſers Ehgemahlin und

berückte ihr ſchwaches Herz und vertrieb ihr die Zeit mit
Saitenſpiel und ließ nebenbei der edlen Alemannen Töch⸗-
ter entführen und verſchwor ſich mit ſeines Kaiſers Wider-
ſachern. Und wie dieſer endlich einen Reichstag aus—
ſchrieb, um der Not zu ſteuern, ſtund ſein hagerer Kanz—
ler dort unter den erſten, die wider ihn ſprachen; mit

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