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192 Ekkehard.
Sie ſtellten das Fuwel in den Schrank zurück.
Noch war's nicht Abend worden, da ſtund alles zum
Abzug bereit. Der Abt hieß die Brüder im Hofe zuſam⸗
mentreten, ſämtliche erſchienen bis auf einen. „Wo iſt
Heribald?“ frug er.
Heribald war ein frommer Bruder, deſſen Weſen ſchon
manchem den Ernſt auf der Stirn in Heiterkeit verwan—
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delten. In jungen Tagen hatte ihn die Amme einmal
aufs Steinpflaſter fallen laſſen, davon war ihm ein ge—
linder Blödſinn zurückgeblieben, eine „Kopfſinnierung“,
aber er war guten Herzens und hatte an Gottes ſchöner
Welt ſeine Freude, ſo gut wie ein Geiſtesgewaltiger.
Da gingen ſie, den Heribald zu ſuchen.
Er war auf ſeiner Zelle. Die gelbbraune Kloſterkatze
ſchien ihm ein Leides zugefügt zu haben, er hatte ihr den
Strick, der ſein Gewand zuſammenhalten ſollte, um den
Leib geſchnürt und ſie an einen Nagel an ſeines Ge—
maches Decke aufgehängt; in die leere Luft herab hing
das alte Tier, das ſchrie und miaute betrüblich, er aber
ſchaukelte es ſänftlich hin und her und ſprach Lateiniſch
mit ihm.
„Vorwärts, Heribald!“ riefen die Genoſſen, „wir
müſſen die Inſel verlaſſen.“
„Fliehe, wer will!“ ſprach der Blödſinnige, „Heribald
flieht nicht mit.“
„Sei brav, Heribald, und folg' uns; der Abt hat's an-
befohlen.“
Da zog Heribald ſeinen Schuh aus und hielt ihn den
Brüdern entgegen: „Der Schuh iſt ſchon im vorigen Fahr
zerriſſen“ ſprach er, „da iſt Heribald zum Camerarius ge⸗
gangen, gib mir mein jährlich Leder', hat Heribald ge—
ſagt, ‚;daß ich mir ein Paar Schuhe anfertige, da hat
der Camerarius geſagt: ‚Tritt du deine Schuhe nicht
krumm, ſo werden ſie nicht reißen', und hat das Leder
geweigert, und wie Heribald den Camerarius beim Abt
verklagt, hat ihm der geſagt: ‚Ein Narr, wie du, kann bar⸗
fuß laufen! Jetzt hat Heribald kein ordentlich Fußwerk
und mit zerriſſenem geht er nicht unter fremde Leute⸗...“
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