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12. Der Hunnen Heranzug. 199

Aber der Gott Iſraels ſpricht: ausziehen laß mein Volk,
auf daß es mir getreu bleibe!“
Frau Hadwig reichte ihm bewegt vom Roſſe herab die
Hand. „Zeiten der Prüfung!“ ſprach ſie. „Seid will—
kommen!“
Verſtärkt durch die neuen Ankömmlinge zog die Hohen⸗
twieler Heerſchar i in der Burg ſchirmende Mauern zurück.
Praxedis war in den Hof heruntergeſtiegen. Bei der
Linde ſtand ſie und ſchaute auf die einziehenden Männer;
ſchon waren die von Sankt Gallen alle im Hofraum ver—
ſammelt, unverwandt ſchaute ſie nach dem Tor, als müſſe
noch einer nachkommen; doch der, den ihr Blick ſuchte,
war nicht unter denen, die da kamen.
In der Burg ging es an ein Einrichten und Unter—
bringen der Gäſte. Der Raum war ſpärlich gemeſſen.
Im runden Hauptturm war eine luftige Halle, dort wurde
mit aufgeſchüttetem Stroh für notdürftig Nachtlager ge—
ſorgt. „Wenn das ſo fortgeht“, hatte der Schaffner ge—
brummt, der bald nicht mehr wußte, wo ihm der Kopf
ſtand, „ſo haben wir bald die ganze Pfaffheit Europas
auf unſerem Fels beiſammen.“
Küche und Keller gaben, was ſie hatten.
Unten ſaßen Mönche und Kriegsleute bei lärmender
Mahlzeit. Frau Hadwig hatte die beiden Äbte und wer
von edeln Gäſten ſich bei ihr eingefunden, in ihrem Saale
vereinigt; es war viel zu beſprechen und zu beraten, ein
Summen und Schwirren von Frag' und Antwort.
Da erzählte Abt Cralo die Geſchicke ſeines Kloſters'ss.
„Diesmal“, ſprach er, „iſt uns die Gefahr ſchier übers
Haupt gewachſen. Kaum ward von den Hunnen geſpro—
chen, ſo tönte der Boden ſchon vom Hufe ihrer Roſſe.
Itzt galt's. Die. Kloſterſchule hab' ich in die feſte Ver—
ſchanzung von Waſſerburg geſchickt, Ariſtoteles und Cicero
werden eine Zeitlang Staub anſetzen, die FJungen mögen
Fiſche im Bodenſee fangen, wenn's nicht noch ſchärfere
Arbeit gibt, die alten Profeſſoren ſind zu rechter Zeit mit
ihnen übers Waſſer. Wir aber hatten uns ein feſtes Ka⸗
ſtell als Unterſchlupf hergerichtet; wo der Sitterbach durch


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